Besser ausgebildet und trotzdem die schlechteren Jobs

6. März 2006, 14:35
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Frauen in der EU überwiegen bei den Studierenden, verdienen enorm weniger und sind in Chefetagen selten anzutreffen

Brüssel - Frauen sind in der EU im Schnitt besser ausgebildet als Männer, am Arbeitsmarkt schlägt sich das allerdings weder in den Positionen noch im Gehalt nieder. Während in der gesamten Union 55 Prozent der Studierenden weiblich sind, beträgt der Frauen-Anteil unter den ManagerInnen nach wie vor nicht einmal ein Drittel. Im Schnitt verdienen Frauen zudem nach Schätzungen um 15 Prozent weniger als Männer, geht aus einer am Montag in Brüssel präsentierten Eurostat-Statistik zum Leben von Männern und Frauen in der EU hervor.

Führungskräfte

Die höchsten Anteile an weiblichen Führungskräften weisen laut Eurostat die baltischen Staaten auf: In Lettland waren im 2. Quartal 2005 44 Prozent der Manager Frauen, in Litauen 43 Prozent und in Estland 38 Prozent. Österreich liegt mit einem Managerinnen-Anteil von 27 Prozent im Mittelfeld knapp besser als Deutschland (26,4) und etwas schlechter als Finnland (29,7 Prozent) und Schweden (29,8 Prozent). Den geringsten Anteil an Frauen in den Chefetagen haben Zypern mit 13,6 Prozent und Malta mit 14,5 Prozent sowie Dänemark mit 23 Prozent.

Lohngefälle

Auch beim geschlechtsspezifischen Lohngefälle gibt es große Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten. Während die Frauen in Zypern, Estland und der Slowakei rund ein Viertel weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, sind es in Malta, Portugal und Belgien nur 4 bis 6 Prozent. In Österreich beträgt der Abstand 18 Prozent und liegt damit wie in Finnland, Schweden, den Niederlanden oder auch Dänemark deutlich höher als der EU-Durchschnitt.

Ausbildung

Mit der Ausbildung lässt sich das Gehaltsgefälle nicht begründen: 2005 hatten in der EU 80 Prozent der Frauen zwischen 20 und 24 Jahren zumindest eine mittlere (schulische oder berufliche) Ausbildung, gegenüber 75 Prozent Männern. Die Frauen überwiegen in allen EU-Ländern außer Tschechien und Großbritannien, wo die Anteile gleich waren. In Österreich haben 87,6 Prozent der Frauen Matura oder Lehre, verglichen mit 84,1 Prozent der Männer.

Studierende

Bei den StudentInnen überwiegen die Frauen ebenfalls in fast allen Mitgliedstaaten, außer Deutschland und Zypern, wo es ähnlich viele sind. Völlig anders sieht das Bild nur in den naturwissenschaftlichen Studienrichtungen aus: In diesen sind die Frauen nach wie vor nur mit 37 Prozent vertreten. Ausnahmen bilden hier Italien und Portugal, wo nahezu gleich viele Frauen wie Männer Mathematik, Informatik etc. studieren. Österreich findet sich mit einem Frauenanteil unter den Studierenden der Naturwissenschaft von 34,8 Prozent im Mittelfeld. (APA)

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