Prozess: Tochter fast 17 Jahre missbraucht und "verkauft"

7. März 2006, 19:52
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63-jähriger Wiener leugnet Vorwürfe - Therapeutin der jungen Frau: "Sie war abgerichtet wie ein Hund"

Wien - Ein 63-jähriger Wiener muss sich seit heute, Montag, vor einem Geschworenensenat im Straflandesgericht verantworten, weil er seine Tochter von frühester Kindheit an sexuell missbraucht haben soll. Laut Anklage kam es zu den ersten Übergriffen, als das Mädchen vier war. Sie hörten erst auf, als sie mit 21 von zu Hause aus zog. Der Mann soll sein Kind sogar an Arbeitskollegen und andere Pädophile "verkauft" haben.

Die Therapeutin der jungen Frau, bei der diese seit vier Jahren in Behandlung steht, schilderte dem Gericht fast unerträgliche Details. Von ihrer Patientin, die nicht selbst bei Gericht erscheinen muss, war sie dazu von der Verschwiegenheitspflicht entbunden worden.

Schon im Vorschulalter missbraucht

Schon im Vorschulalter wurde das Kind demnach vom Vater in der Badewanne missbraucht. Nur wenig später soll er sie bereits zu Oralverkehr gezwungen haben. In der Volksschule wurde das Mädchen dann laut Anklage regelmäßig zur Duldung sexueller Handlungen genötigt und vergewaltigt, als der Vater mit ihr auf Urlaub nach Amerika fuhr.

"Sie war trainiert, abgerichtet wie ein Hund, dass sie das über sich ergehen lässt", stellte die Psychotherapeutin fest. Nach dem sonntäglichen Gottesdienst habe der Vater ihr beispielsweise nur mit dem Finger zuwinken müssen und sie wäre ihm ins Schlafzimmer gefolgt.

Ab dem achten Lebensjahr begann der Vater das Kind laut Anklage mit in die Arbeit zu nehmen, wo er es in einem Nebenraum pädophilen Kollegen überließ. Im Donaupark und einem Kino soll er sie weiteren Kinderschändern zugeführt und dafür 500 Schilling kassiert haben. "Sie hat dafür dann eine Barbie-Puppe bekommen", erzählte die Therapeutin.

Der Angeklagte wies die Vorwürfe zurück. Seine Tochter - ein Wunschkind, der er alles von den Augen abgelesen habe - behaupte das, weil er ihre gleichgeschlechtlichen Neigungen nicht toleriert hätte. Außerdem habe er sich geweigert, ihre Therapie zu bezahlen.

Tatsächlich hatte sich die mittlerweile 26-Jährige erst dann ihrer Mutter anvertraut, als sie sich die Kosten ihrer Behandlung nicht mehr leisten konnte und daher den Vater brieflich aufforderte, etwas beizusteuern. Als dieser sich dazu nicht bereit erklärte, berichtete die junge Frau der ahnungslosen Mutter von den Übergriffen. Diese erzählte in weiterer Folge davon der Polizei.

Die 60-Jährige brach nun im Zeugenstand in Tränen aus, als sie einvernommen wurde. Sie habe es zunächst nicht glauben können. Als sie ihren Mann mit den ungeheuerlichen Behauptungen konfrontierte, "hat er nur gelacht", schluchzte die Mutter.

Mehrere Selbstmordversuche

Nach mehreren Selbstmordversuchen dürfte die Tochter ihr Leben inzwischen zumindest ansatzweise allmählich in den Griff bekommen. "Sie kann ihre Krisen jetzt ein bisschen managen", sagte ihre Therapeutin. Nach wie vor erlebe sie aber die zahllosen Übergriffe in so genannten Flashbacks wieder, leide an Panikattacken, Albträumen und Angstzuständen. Einem Gutachten zufolge kommt ihr psychischer Zustand einer schweren Körperverletzung mit Dauerfolgen gleich.

Die Verhandlung wird am Mittwoch mit Zeugeneinvernahmen fortgesetzt. Das Urteil ist für kommenden Donnerstag geplant. (APA)

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