Chef von polnischer Regierungspartei setzt Attacken gegen Medien fort

13. März 2006, 16:27
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Jaroslaw Kaczynski: Journalisten stehen unter starken Druck der Verlagsleitung

Der Vorsitzende der polnischen Regierungspartei PiS (Recht und Gerechtigkeit) Jaroslaw Kaczynski führt seine Attacken gegen die Medien im Land unbeirrt fort. Nun erklärte er, nur eine Hand voll Verlagsleiter bestimme die Meinung in den Zeitungen, Fernseh- und Rundfunksendern. Die Journalisten dagegen müssten in vielen Fällen die Dinge entgegen ihrer Überzeugung darstellen.

Gleichzeitig deutete Kaczynski an, er würde einen Aufstand der Journalisten gegen die Verlage - wie beim deutschen Magazin "Der Spiegel" in den 70er Jahren - begrüßen: "Ich sehe kein Hindernis, den Journalisten bei einer ähnlichen Lösung ihrer Probleme zu helfen". Der PiS-Vorsitzende hatte vergangene Woche bereits mit der Aussage für Aufregung gesorgt, in Polen gebe es "keine wirklich freien Medien".

Heftige Reaktionen

Jaroslaw Kaczynski erwähnte in seinem neuerlichen Angriff einige Verlagsleiter namentlich. Dementsprechend heftig fiel die Reaktion der Zeitungen in ihren Ausgaben vom heutigen Montag aus. "Die Zeiten, als die Regierung die Medien dirigierte, zurechtwies und anleitete, sind schon lange vorbei", schreibt Wanda Rapaczynska, Leiterin des Verlages "Agora" in der Tageszeitung "Gazeta Wyborcza".

Indes beklagen sich beinahe täglich PiS-Politiker lautstark über die Berichterstattung in den Medien. Der Fernsehsender TVP zeigte am vergangenen Freitag, wie Parlamentspräsident Marek Jurek einem seiner Journalisten ein Interview verweigerte. Jurek beklagte sich daraufhin am Samstag bei einer Pressekonferenz, das entsprechende Bildmaterial sei "manipuliert" worden, was "ein falsches Bild der Beziehungen zwischen der PiS und den Medien" zeichne. (APA)

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