Neuer Markt: Garagen-Befürworter sehen sich bestätigt

6. März 2006, 19:03
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Stenzel lässt Umfrage mit 78 Prozent Pro-Stimmen nicht gelten und verweist auf offizielle Befragung

Wien - In Wien lassen mehrere geplante Tiefgaragen die Emotionen hochgehen. Für jene am Neuen Markt in der City soll morgen, Dienstag, das Ergebnis einer von Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel (V) initiierten Anrainerbefragung präsentiert werden. Die Befürworter wollten dem anscheinend zuvorkommen und präsentierten bereits heute, Montag, eine eigene Umfrage, die dem Projekt eine breite Zustimmung attestiert.

Rund 8.000 Fragebögen seien an Haushalte und Firmen in der Inneren Stadt verschickt worden, hieß es in einer Pressekonferenz der Initiative "Pro Neuer Markt". Zurück kamen 381 Bögen, was einer Rücklaufquote von 4,8 Prozent entspricht. Von diesen hielten 79 Prozent die Tiefgarage für eine "gute Idee". Zwar waren 88 Prozent aller Antworten von Autobesitzern, doch auch jene ohne fahrbaren Untersatz waren laut Umfrageinstitut Kruetzer Fischer & Partner zu 68 Prozent für die Garage.

"Der stillen Mehrheit eine Stimme geben"

"Wir wollten der stillen Mehrheit gegen die laute Minderheit eine Stimme geben", begründete Rechtsanwalt Peter Hoffmann-Ostenhof seinen Antrieb für die Gründung der Initiative. Der Umfrage Stenzels attestierte er Einseitigkeit: "Da wird nach dem Motto gefragt, 'Sind Sie gegen die Garage, Ja oder Ja?'"

Als prominente Unterstützerin hat er sich "Dancing Star" Marika Lichter ins Boot geholt, die in der Pressekonferenz über ihre Parkplatzsorgen klagte. Von Stenzel habe sie keinen Stimmzettel bekommen, und das, obwohl sie in der Dorotheergasse wohne und ihr Büro im Trattnerhof habe.

Stenzel zeigte sich unbeeindruckt. "Morgen liegt das Ergebnis unserer offiziellen Befragung vor, und nur diese ist politisch relevant, weil sie auf einem Mehrheitsbeschluss des Bezirksparlaments beruht", sagte sie zur APA. Die Konkurrenz-Befragung habe dagegen höchstens "Liebhaberwert für die Garagenlobby und deren Freunde".

Bacherpark

Etwas weniger akut ist der Garagenstreit derzeit am Bacherpark im Bezirk Margareten. Zwar halten die Gegner den dortigen Park seit Jänner besetzt, doch ist jetzt Deeskalation angesagt, weil ein Mediationsverfahren eingeleitet wurde. "Wir bleiben so lange dort, bei eine zufrieden stellende Lösung erreicht wird", bekräftigte Sprecherin Herta Wessely dennoch auf APA-Anfrage. Die Forderung ihrer Bürgerinitiative ist es, die Garage - wenn überhaupt - an einem anderen Standort zu errichten.

"Mein Wunsch wäre, dass unsere Politiker kapieren, dass sich da etwas ändern muss. In anderen Ländern ist es selbstverständlich, dass man die Bürger einbezieht. Dass man nachher zur Oberflächengestaltung eingeladen wird, das kann es ja nicht sein", so Wessely. Neuen Konfliktstoff ortet sie daher bereits am Sankt-Elisabeth-Platz im Bezirk Wieden. Auch dort ist eine Volksgarage geplant, die Gegner hätten sich bereits formiert. (APA)

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