AT&T-Kauf von BellSouth hat Auswirkungen auf T-Mobile und Vodafone

14. März 2006, 10:39
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US-Mobilfunkmarkt von Cingular Wireless und Verizon Wireless dominiert - Verizon könnte sich für tele.ring-Eigentümer Alltel interessieren

Mit dem überraschenden Kauf von BellSouth durch den zweitgrößten US-Telekomkonzern AT&T wird fast das alte Monopol aus der Zeit vor der Zerschlagung der alten AT&T 1984 wiederhergestellt. Dementsprechend versetzt die Mammuttransaktion die rasch konsolidierende US-Telekom- und Mobilfunkbranche in Aufruhr - zumal die Grenzen zwischen Telekommunikation, Internet, Kabel- und Satelliten-TV-Fernsehen im fließender werden.

Zugzwang

Sie bringt zudem den Hauptkonkurrenten und Branchen-Zweiten Verizon sowie die relativ schwache Qwest in argen Zugzwang, den dritten noch verbliebenen Telekom-Mitspieler.

Die Transaktion wird im Mobilfunkbereich auch für T-Mobile USA erheblich härtere Konkurrenz bedeuten. Sie verstärkt zudem den Druck auf Verizon Communications, die rasant wachsende und glänzend verdienende Mobilfunk-Tochter Verizon Wireless vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Diese gehört Verizon Communications zu 55 Prozent und der britischen Vodafone zu 45 Prozent. Bisher konnten sich die beiden nicht über einen Preis für einen Kauf des Vodafone- Anteils durch Verizon einigen.

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Im Mobilfunkbereich dominiert die zukünftig allein von AT&T kontrollierte Cingular Wireless mit 54,1 Millionen Kunden. Die Verizon Wireless hat 51,3 Millionen Nutzer. Sprint Nextel ist die Nummer drei mit 47,6 Millionen Kunden. Die T-Mobile USA liegt mit 21,7 Millionen Kunden weit abgeschlagen auf Platz vier. Kommt Cingular Wireless voll in AT&T- und Verizon Wireless ganz in die Hand von Verizon Communications, bedeutet dies schlagkräftigere und größere Branchenführer. Sie könnten T-Mobile noch viel härtere Konkurrenz machen, weil sie mehr gebündelte Telefon-, Mobilfunk-, Internet- und TV-Dienste in weiten US-Landesteilen anbieten können.

Verizon könnte nach Wall-Street-Spekulationen auch Interesse an Alltel zeigen, der fünftgrößten US-Mobilfunkfirma, der in Österreich noch der viertgrößte Mobilfunkbetreiber tele.ring gehört. Eine Übernahme von tele.ring durch T-Mobile wird derzeit von den EU-Wettbewerbsbehörden geprüft. Weniger wahrscheinlich dürfte eine Übernahme von Qwest durch Verizon sein.

Sturmböen von Seiten der Telekom-Riesen

Kabelfernsehfirmen wie Comcast, Time Warner, Charter und Cablevision, die ihrerseits inzwischen in großem Stil Internet-Hochgeschwindigkeitszugang und Internet-Telefondienste anbieten, dürfte ebenfalls Sturmböen von Seiten der Telekom-Riesen um die Nase wehen. Internetfirmen wie eBay mit Skype, Yahoo, MSN von Microsoft und Google, die ihrerseits im Telekom-Geschäft kräftig mitmischen wollen, werden es ebenfalls schwerer haben.

Der Kauf der BellSouth durch AT&T läuft auch auf eine Fast-Wiederherstellung des ehemaligen Telefon-Monopols hinaus, das bis 1984 mit der ursprünglichen AT&T seit vor dem Beginn des 20. Jahrhunderts geherrscht hatte. Statt der aus kartellrechtlichen Gründen vor 22 Jahren in acht Einzelgesellschaften zerschlagenen alten AT&T und durch Neuankömmlinge aus mehr als einem Dutzend großen regionalen und überregionalen US-Telefongesellschaften bestehenden US-Telekombranche, gibt es jetzt mit AT&T und Verizon nur noch zwei dominierende und mit Qwest einen schwächeren Telekom-Mitspieler. Im Mobilfunkbereich gibt es neben den beiden Branchenführern nur noch Sprint Nextel sowie T-Mobile und eine Reihe kleinerer Anbieter.(APA/dpa)

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