Skihandel fährt auf Winter ab

28. März 2006, 19:40
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Nach einem Umsatz­minus zu Beginn der Wintersaison verhelfen Schneemassen nun zu ertragreicher zweiter Winterhälfte - Starker Wertverlust durch aggressiven Preiskampf

Wien - "Ich gehöre zur seltenen Spezies jener Lebewesen, die sich auch noch im März über die Schneemassen freuen". Kein Wunder, ist doch Georg Dietachmayr Sprecher der österreichischen Ski-Industrie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und Geschäftsführer des Ski-Produzenten Fischer. Das Geschäft boomt, vor allem der Langlauf erfreut sich in dieser Wintersaison enormer Zuwachsraten.

Schwacher Start

"Die erste Periode des Jahres von April bis Dezember ist jedoch mit einem Umsatzminus von vier Prozent im Alpinbereich gar nicht gut ausgefallen", sagte Dietachmayr. Hier sei man gegenüber dem Vorjahr klar zurückgelegen. Allerdings habe sich der Absatz besser entwickelt als ursprünglich gedacht. "In der zweiten Winterhälfte rechnen wir aber damit, alles wieder aufzuholen. Der Winter könnte also ruhig noch länger dauern", schmunzelte der Sprecher der Ski-Industrie.

Boom in der Langlauf-Sparte

Im Bereich des nordischen Skisports sei das Geschäft in der ersten Geschäftsperiode besser ausgefallen. "Es ist heuer ein perfektes Langlaufjahr. Das Volumen ist explodiert. Sowohl wert- als auch mengenmäßig gab es Zuwächse gegenüber dem Vorjahr um bis zu 80 Prozent. Im Dezember waren wir bereits bei vielen Produkten ausverkauft und mussten nachproduzieren".

Übernahmen

Als "besonders schlimm" bezeichnete Dietachmayr jedoch den Wertverlust im Alpinbereich in Höhe von elf Prozent: "Die Preise sind gepurzelt. Der Handel haut sich die Köpfe ein. Die großflächigen Anbieter sind nicht zu übertreffen". Auch die aggressive Vergleichswerbung trage dazu bei. Testkäufer werden ausgeschickt, um die Preise unterbieten zu können. Der Preiskampf betreffe den gesamten Sporthandel, die gesamte Ski-Industrie stehe durch die Konzentrationen in der Branche unter Druck. Im Vorjahr gab es zahlreiche Besitzerwechsel: Salomon und Atomic wurden von der finnischen Amer-Gruppe übernommen, Rossignol wurde vom amerikanischen Sportbekleidungshersteller QuikSilver aufgekauft.

Exporte nach Japan auf Tiefstand

Eine Talsohle im Umsatz wurde heuer auch im Japan-Geschäft erreicht. Der Export von Alpinski nach Japan ist um 25 Prozent gesunken. In den vergangenen zehn Jahren sei der Umsatz in Japan damit von jährlichen zwei Millionen Stück auf 400.000 geschrumpft. "Das Interesse am Skifahren ist verloren gegangen", erklärte der Sprecher der Ski-Industrie die eklatanten Einbußen. "Das ist aber auch genau das, worauf wir aufpassen müssen. Das Interesse am Skisport darf sich in Zukunft nicht noch mehr reduzieren".

Anreize

Auf einem Symposium am vergangenen Wochenende haben sich Vertreter der Ski- und Tourismus-Industrie neue Zukunftsstrategien überlegt. Man wolle dabei verstärkt die Jugend zum Skisport bringen. "Kids zwischen vier und 14 müssen zum Skisport animiert werden, denn über 14-Jährige lernen es meistens nimmer", betonte Dietachmayr. "Weiters müssen wir Netzwerke schaffen. Wir haben im Winter alle dieselben Konkurrenten: die Seychellen und Mauritius bei den Erwachsenen, Nintendo, Spielkonsolen und Handys bei den Jungen. Wir müssen verstärkt auf die Konsumenten der Zukunft eingehen, unaufgefordert Bequemlichkeit unterstützen, in dem wir Wohn-und Parkmöglichkeiten möglichst nah beim Lift schaffen und damit den Ski-Transport zu erleichtern", so Dietachmayr.

"Österreich ist die Ski-Nation Nummer eins - das ist unsere Marke. Wir haben eine starke Ski-Industrie, qualitativ hervorragendes Material und sind auch sportlich erfolgreich - siehe Olympiade, so Dietachmayr. Auch die Tourismus-Angebote könnten sich durchaus sehen lassen. "Das alles müssen wir besser vermarkten und in die Welt hinaustragen. Unsere Zielsetzung sollte nicht Konkurrenz, sondern die Bildung von Netzwerken sein", so das Resümee des Symposiums. (APA)

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    Für den Ski-Handel kann es nie genug Schnee geben: Das Geschäft boomt.

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