Kampf der Glatze: Pilotstudie in Wien

13. März 2006, 13:14
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Haarfollikel als Quelle für Stammzellen - Keimzellen sollen außerhalb des Körpers gezüchtet und dann eingepflanzt werden

Wien - Einem Wiener Forschungslabor ist es gelungen, menschliche Zellen der Haarwurzel außerhalb des Körpers zu züchten und daraus neue Follikel zu erzeugen. Wissenschafter schätzen Haarfollikel - jene Ausstülpung in der Lederhaut, in der jedes Haar seinen Ursprung hat - als hervorragende Quellen für Stammzellen. Die Entnahme weniger Follikel könnte genügen, um im Labor eine große Anzahl solcher Keimzellen zu züchten und anschließend einzupflanzen.

Das Forschungslabor der in Wien ansässigen Moser Medical Group teilt nun mit, es sei gelungen, Haarwurzelzellen in speziellen Kulturen zu vermehren und dann durch Verfahren der Gewebezüchtung neue Follikel zu erzeugen. Für diese Leistung wurde der zuständige Forscher, Doz. Dr. Walter Krugluger, auf dem Kongress der International Society of Hair Restoration Surgery in Sydney mit dem Platinum Follicle Award ausgezeichnet, die höchste Ehrung auf dem Sektor der Haarchirurgie.

Die Methode

Krugluger isolierte Stammzellen aus Haarwurzeln und injizierte sie in unter Laborbedingungen kultivierte, haarlose Hautareale, die hinter der Ohrmuschel gewonnen worden waren. Durch die Behandlung mit Wachstumsfaktoren spross nach vier Wochen der erste Flaum, so genannte Velushaare (Krugluger W. et al.; Experimental Dermatology 2005).

"Diese Haare sind natürlich noch nicht mit unserem normalen Kopfhaar vergleichbar. Allerdings ist diese erstmalige Züchtung von menschlichem Haar ein großer Durchbruch in der Forschung", meinen die Verantwortlichen. Nunmehr läuft eine Pilotstudie an 15 Patienten. Krugluger ist optimistisch, dass sein Verfahren eines Tages das Ende der unfreiwilligen Glatze einläuten könnten: "Wir sind zuversichtlich, da die Neubildung von Haarfollikeln in speziellen Zellkulturen ja schon Früchte getragen hat."(APA)

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