Wenn die Fingergelenke schmerzen...

6. März 2006, 11:42
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... handelt es sich möglicherweise um Gelenksrheuma - Eine "weibliche" Krankheit, die tödlich enden kann

Saalfelden - Eine oft völlig missverstandene Erkrankung: die chronische Polyarthritis (Gelenksrheuma). Sie ist "weiblich" und tödlich. "Der Satz: 'An Rheuma stirbt man nicht', stimmt nicht. Man stirbt um zehn Jahre früher", warnte am Sonntagabend der Wiener Rheumatologe Univ.-Doz. Dr. Ludwig Erlacher vom Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien bei der 39. Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden.

Gefährlich

Am gefährlichsten sei das Gelenksrheuma. "Etwa ein Prozent der Bevölkerung hat eine solche rheumatoide Arthritis (auch chronische Polyarthritis, Anm.). Die Entzündung führt zur Aktivierung jener Zellen, die Knorpelgewebe und Knochen auffressen", sagte der Rheumatologe.

Besonders häufig seien Frauen betroffen. Erlacher: "78 Prozent der Patienten sind Frauen, 22 Prozent Männer. Die Folgen sind dramatisch. Nach zehn Jahren sind 50 bis 60 Prozent der Betroffenen arbeitslos."

Krankheit zerfrisst den Knochen

Entscheidend seien eine möglichst schnelle Diagnose und im Fall des Falles auch eine frühe Behandlung. Der Rheumatologe: "Wir sollten den Betroffenen abraten, zu lange zu warten. Die Krankheit zerfrisst den Knochen. Bereits nach drei Monaten hat ein Viertel der Patienten Gelenkszerstörungen, nach einem Jahr die Hälfte und nach zwei Jahren 75 Prozent. Diese Schäden werden nicht mehr gut."

Anzeichen

Wenn Gelenke - oft sind es die Fingerglied-Gelenke - anschwellen, am Morgen schlechter beweglich sind und Schmerzen auftreten, sollte dringend ÄrztInnen bzw. RheumatologInnen für eine genauere Abklärung aufgesucht werden. Das Prinzip der modernen Therapie: Durch die Gabe von Krankheits modulierenden "Basistherapeutika" wird versucht, die chronisch entzündliche Erkrankung möglichst stark zu unterdrücken.

Zu den klassischen Mitteln in diesem Bereich gehören Methotrexat (15 bis 25 Milligramm pro Woche zum Schlucken oder als Injektion unter die Haut), Levlunomid oder Mittel wie Sulfasalazin. Bei frühzeitiger Behandlung kommt es in rund 30 Prozent der Falle zu einer Remission, also zu einem Verschwinden der Symptome. (APA)

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