Porträt: Robert Altman

6. März 2006, 12:07
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Ehren-Oscar für US-Regisseur nach insgesamt sieben erfolglosen Nominierungen

Hollywood - Nun hat auch US-Regielegende Robert Altman einen Oscar. Der 81-Jährige, der in seiner langen Karriere fünf Mal als Regisseur für einen Oscar nominiert war (für "M.A.S.H.", "Nashville", "The Player", "Short Cuts" und "Gosford Park") und zwei Mal als Produzent um den "Besten Film" zitterte ("Nashville" und "Gosford Park"), hatte zuvor noch nie einen gewonnen. Bei der Überreichung des Oscars für sein Lebenswerk erhoben sich heute bei der 78. Oscar-Verleihung im Kodak Theater die Gäste von ihren Plätzen und spendeten herzlichen Beifall.

Altman hat dank jungem Herzen" noch vierzig Jahre" vor sich

Für ihn sei es, als habe er in seiner ganzen Laufbahn einen einzigen langen Film gedreht, sagte Altman, "und ich weiß, dass einige von Ihnen manche Teile davon mochten..." Er habe großes Glück gehabt, denn er habe nie einen Film drehen müssen, den er nicht selbst ausgesucht oder entwickelt habe. Filmemachen habe ihm den Zugang zu der Welt und zu den Menschen verschafft, "und dafür bin ich ewig dankbar." In seiner Dankesrede sprach Altman auch erstmals über seinen Gesundheitszustand: "Ich denke, ich muss aufrichtig zu Ihnen sein. Vor zehn, elf Jahren hatte ich eine komplette Herztransplantation. (...) Ich habe, glaube ich, das Herz einer jungen Frau Ende dreißig bekommen. Nach dieser Rechnung würden Sie den Preis zu früh vergeben, denn ich glaube, ich habe noch vierzig Jahre vor mir."

Durchbruch mit "M.A.S.H" (1970)

Bevor Altman in den fünfziger Jahren in Hollywood Fuß fasste, hatte er sich in seiner Heimatstadt Kansas City als Dokumentar- und Industriefilmer seinen Lebensunterhalt verdient. Sein erster Spielfilm war 1957 "The Delinquents". Nach Regiearbeiten für TV-Episoden von "Alfred Hitchcock präsentiert" und "Bonanza" schaffte Altman den Durchbruch mit der Militärsatire "M.A.S.H" (1970) über das Leben in einem Lazarett-Lager während des Korea-Krieges, die später als Fernsehserie fortgesetzt wurde.

Nächster Film mit Tommy Lee Jones, Meryl Streep und Kevin Kline

Mit "Nashville", einer bissigen Satire über das Musikgeschäft, präsentierte Altman 1975 erstmals seinen inzwischen zum Markenzeichen gewordenen Ensemble-Stil, bei dem er Dutzende von Personen und Schicksalen miteinander verknüpft. Sein nächster Film, "A Prairie Home Companion" mit Tommy Lee Jones, Meryl Streep und Kevin Kline, handelt von einer populären amerikanischen Radioshow. Der Film wurde bei der diesjährigen Berlinale gezeigt und soll im Sommer in die Kinos kommen. Weitere Filmtitel aus Altmans Schaffen sind "McCabe & Mrs. Miller", "Der Tod kennt keine Wiederkehr", "Diebe wie wir", Buffalo Bill und die Indianer", "Popeye", "Drei Frauen", "Windhunde" und "Ginderbread Man".

Jüngste Bühnen-Inszenierung: Arthur Millers "Resurrection Blues"

Kürzlich inszenierte Altman Arthur Millers letztes Werk "Resurrection Blues" im "Old Vic Theatre" in London, das von Schauspieler und Oscar-Preisträger Kevin Spacey ("American Beauty") geleitet wird. Die Besetzung dieses 2002 in den USA uraufgeführten Schauspiels ist prominent: U.a. stehen Maximilian Schell und Neve Campbell auf der Bühne. Altmanns jüngster Film "A Prairie Home Companion", eine sympathische und hintergründige Hommage an gute alte Radiozeiten, in der Meryl Streep eine Country-Sängerin spielt, lief kürzlich im Wettbewerb der Berlinale. (APA)

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