Thomas Cook kehrt in Gewinnzone zurück

14. März 2006, 15:45
posten

Weitere Gewinnsteigerung durch Kostensenkungen und stärkeren Internet-Reisevetrieb geplant - Umsatz bei 7 Milliarden Euro - Stategiewechsel

Frankfurt - Europas zweitgrößter Touristikkonzern Thomas Cook, der auch in Österreich tätig ist, ist nach drei Verlustjahren in Folge wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Dank massiver Einsparungen und veränderter Strategie im Flugbereich erzielte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2004/05 (zum 31. Oktober) einen Konzernüberschuss von 105,4 Mio. Euro.

Im Jahr zuvor hatte die gemeinsame Tochter von Lufthansa und KarstadtQuelle noch rund 176 Mio. Euro Verlust geschrieben.

Künftig geplant

Künftig wolle Cook durch weitere Kostensenkungen, flexiblere Produktionsprozesse und den Ausbau des Reisevertriebs im Internet den Gewinn weiter steigern, kündigte das Unternehmen am Montag an. Das operative Ergebnis (Ebit) solle in den nächsten drei Jahren jeweils fünf bis zehn Prozent zulegen und damit stärker als der Umsatz, der im Schnitt um vier Prozent jährlich wachsen solle, erklärte der seit November amtierende Cook-Vorstandschef Thomas Holtrop.

Der Umsatz stieg im zurückliegenden Geschäftsjahr den Angaben zufolge um 2,4 Prozent auf 7,7 Mrd. Euro, die Zahl der Reisenden um gut ein Prozent auf 13,2 Millionen. Die Nettoschulden baute Cook um mehr als 50 Prozent auf knapp 280 Mio. Euro ab.

Künftig werde Cook wieder mehr Luft für Investitionen haben. Allein in den Ausbau des Internetvertriebs wolle Cook in den nächsten fünf Jahren einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag investieren. "Der Thomas-Cook-Konzern steht nach zwei Jahren Sanierung wieder auf wirtschaftlich gesunden Füßen", sagte Holtrop. Jetzt gehe es darum, die Profitabilität weiter zu erhöhen.

Strategiewechsel am Horizont

Holtrop deutete einen Strategiewechsel an. Thomas Cook wolle sich schrittweise von dem Modell des großen integrierten Reisekonzerns verabschieden, der auf allen Stufen des Reisegeschäfts präsent ist. Das integrierte Modell mit vielen eigenen Hotels, Reisebüros und Fluggesellschaften, das insbesondere von Marktführer TUI praktiziert wird, habe sich überlebt. "Es entspricht nicht mehr den Notwendigkeiten einer Zeit, die durch Überkapazitäten und sinkende Preise bei Airlines und Hotels geprägt ist", sagte Holtrop. Das Risiko, die eigenen Kapazitäten auszulasten, überwiege die Ertragschancen. Einzelheiten zu möglichen Verkäufen nannte Holtrop nicht.

In den vergangenen Wochen war wiederholt über einen Verkauf der Fluggesellschaft Condor und grundlegende Veränderungen bei Cook spekuliert worden. KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff hatte öffentlich wiederholt erklärt, sein Unternehmen wolle die Mehrheit an Cook. Lufthansa lehnt einen Verkauf bisher ab.

Bisher keine Einbußen durch Vogelgrippe

Thomas Cook verzeichnete aufgrund der inzwischen auch in Europa verbreiteten Vogelgrippe nach eigenen Angaben bisher keine Einbußen. Es habe im Jänner zwar einen erheblichen Rückgang der Buchungszahlen für die Türkei gegeben, als die Tierseuche dort Urlaubsregionen erreichte.

Umsatzplus bei Sommerreisen

In der Konzernbilanz sei dies aber nicht negativ zu Buche geschlagen, weil die Kunden umgebucht hätten, vor allem Richtung Spanien, sagte Finanzchef Ludger Heuberg. Der Cook-Konzern verzeichnet derzeit für die Sommersaison einen Zuwachs der Buchungen gegenüber dem Vorjahr von fast zehn Prozent.

Thomas Cook hat im Zuge seiner Sanierung etwa jede zehnte Stelle abgebaut. Die Zahl der Beschäftigten sank innerhalb von zwei Jahren um 10,3 Prozent auf 23.306 im Durchschnitt des Geschäftsjahres 2004/2005 (31. Oktober). "Thomas Cook hat die Sanierung erfolgreich abgeschlossen", sagte Heuberg.

Condor wird nicht herausgelöst

Thomas Cook hat unterdessen nach den Worten von Holtrop keine Pläne für eine Herauslösung der Fluggesellschaft Condor. Es gebe auch bei den Gesellschaftern Lufthansa und KarstadtQuelle keine entsprechenden Pläne, sagte Holtrop am Montag in Frankfurt. Ziel bleibe, den Konzern in seiner jetzigen Form flexibler aufzustellen und börsenfähig zu machen. Eine Entscheidung über einen Börsengang gebe es nicht.

Das aktuelle Geschäft verläuft bei Cook stärker als im Gesamtmarkt mit konzernweit derzeit fast zehn Prozent mehr gebuchtem Umsatz für die Sommersaison 2006. Für die noch bis April laufende Wintersaison, die mit Schwierigkeiten gestartet sei, lägen die gebuchten Umsätze nur knapp über dem Vorjahresniveau, sagte Finanzchef Ludger Heuberg. (APA/Reuters/dpa)

Share if you care.