Frauenhaus Kapfenberg ausgelastet

6. März 2006, 21:29
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Zufluchtsstätte für Gewaltopfer blickt auf einjähriges Bestehen zurück

Graz - Seit einem Jahr gibt es die neue Zufluchtsstätte für Gewaltopfer in der Steiermark, das Frauenhaus Kapfenberg. In diesem Zeitraum wurden bereits 60 Frauen und 47 Kinder aufgenommen. "Momentan ist das Haus zu 84 Prozent ausgelastet", erklärte die Geschäftsführerin des Vereins Frauenhäuser Steiermark, Angelika Ratswohl. Im Schnitt suchen die Opfer häuslicher Gewalt bis zu einem Monat Zuflucht.

Das erste steirische Frauenhaus außerhalb von Graz wurde vergangenes Jahr am 8. März, am internationalen Frauentag, eröffnet. Nach "einigen Turbulenzen" die Finanzierung durch das Land betreffend, gebe es jetzt aber durchaus Grund, dem Kommenden positiv entgegen zu sehen, erklärte Ratswohl: "Je länger die Institution besteht, desto mehr steigert sich auch ihr Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung und das erleichtert von Gewalt betroffenen Frauen, sich hier Rat und Hilfe zu holen."

Mehrere Unterstützungungen nötig

Laut Statistik waren 91 Prozent der Opfer das erste Mal im Frauenhaus. "Einige benötigten die Unterstützung mehr als ein Mal, um sich von ihrem Partner zu lösen und eine eigene Existenz aufbauen zu können", so die Geschäftsführerin. In den meisten Fällen (92,5 Prozent) ging die Gewalt vom (Ex-)Ehemann oder dem Lebensgefährten aus. Fünf Prozent der betroffenen Frauen wurden von den eigenen Eltern oder Schwiegereltern misshandelt.

Viele Hilfe suchende Frauen kommen mit ihren Kindern: Insgesamt suchten im vergangenen Jahr 25 Mädchen und 19 Buben - plus der drei, die sich momentan im Haus aufhalten - in Begleitung ihrer Mütter die Zufluchtsstätte auf, wobei sie sehr oft nicht nur Zeugen, sondern auch selbst Gewaltopfer waren. "Knapp die Hälfte der Betroffenen können sich nach ihrem Aufenthalt mit ihren Kindern eine vom Misshandler unabhängige Existenz aufbauen", berichtete Ratswohl.

Finanziert wird das obersteirische Frauenhaus zu 60 Prozent vom Land und 40 Prozent vom jeweilig zuständigen Sozialhilfeverband. Kleinere Anteile fallen noch auf die Selbstbehalte der Klientinnen, Mitgliedsbeiträge, Spenden und Förderungen. (APA)

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