Intercell erhöht Verlust

17. März 2006, 15:25
posten

Das Wiener Biotech-Untermehmen steigerte 2005 den Umsatz um 85 Prozent und schreibt weiterhin hohe Verluste

Wien - Das börsenotierte Wiener Biotech-Unternehmen Intercell hat im Vorjahr den Umsatz um 85 Prozent von 4,58 auf 8,47 Mio. Euro gesteigert, aber weiterhin hohe Verluste geschrieben. Der Nettoverlust erhöhte sich um 19 Prozent auf 25,06 (21,04) Mio. Euro.

Der geplante Anstieg der Verluste sei auf die um 67 Prozent auf 28,5 (16,9) Mio. Euro angehobenen F&E-Ausgaben zurückzuführen, gab Intercell Montag früh vor seiner Bilanzpressekonferenz ad hoc bekannt. Diese Steigerung der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung spiegle unter anderem die Fortschritte bei Herstellung und Weiterentwicklung des JEV Impfstoffs in die Phase III der klinischen Studie wider.

Gestiegener Verwaltungs- und Vertriebsaufwand

Die Verwaltungs- und Vertriebskosten stiegen um 12,8 Prozent auf 9,0 (7,9) Mio. Euro. Die saldierten sonstigen betrieblichen Einkünfte beliefen sich 2005 nach Unternehmensangaben auf 3,1 (0,9) Mio. Euro, vor allem wegen der Inanspruchnahme der steuerlichen Forschungsprämie.

Ende 2005 verfügte Intercell nach eigenen Angaben über 50,2 (31,4) Mio. Euro an liquiden Mitteln, wovon 5,3 Mio. Euro auf Barguthaben und 44,9 Mio. Euro auf kurzfristige Wertpapiere entfielen.

2005 hat Intercell insgesamt 4 Mio. Euro an meilensteinabhängigen Lizenzzahlungen erhalten. Für 2006 erwartet man weitere Technologiepartnerschaften sowie das Erreichen weiterer Meilensteine in schon bestehenden Partnerschaften.

Projekte und Partnerschaften "nach Plan"

Sämtliche Projekte und Partnerschaften von Intercell haben sich im abgelaufenen Geschäftsjahr 2005 planmäßig oder besser entwickelt, unterstrichen die Vorstandsdirektoren Gerd Zettlmeissl und Werner Lanthaler am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien. Für 2006 werden weitere Technologiepartnerschaften sowie das Erreichen weiterer Meilensteine in bestehenden Partnerschaften erwartet.

Seit Dezember kooperiert Intercell mit Merck & Co bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen S. aureus - Staphylokokken - (klinische Phase I-Studie), aus der sich bisher "Meilensteinzahlungen" in Höhe von 5 Mio. US-Dollar (4,2 Mio. Euro) ergaben. Eine weitere Zusammenarbeit besteht mit Sanofi Pasteur. Intercell hat Anspruch auf zusätzliche meilensteinabhängige Lizenzzahlungen von insgesamt 20 Mio. Euro sowie auf eine Beteiligung an zukünftigen Nettoumsätzen. Im Jahr 2005 hat Intercell meilensteinabhängige Lizenzzahlungen in Höhe von 4 Mio. Euro erhalten. Erste klinische Studien begannen am Statens Serum Institut mit EU-Unterstützung für einen neuen Tuberkulose-Impfstoff, der auf zwei wichtigen TB-Antigenen in Kombination mit Intercells Adjuvant IC31TM basiert.

Kernprodukt kommt voran

Beim Kernprodukt, dem prophylaktischen Impfstoff für Japan-Enzephalitis, verlaufe die Rekrutierung für das internationale Phase III Programm, das aus mehreren Immunogenitäts- und Sicherheitsstudien besteht und mehr als 5.000 Probanden umfasst, schneller als ursprünglich geplant. Ein unabhängiges Gremium habe einstimmig beschlossen, dass keine Bedenken hinsichtlich der Sicherheit des Impfstoffes bestehen.

Dank des von der EU-Kommission verliehenen "Orphan Drug Status" erhält Intercell mit Zulassung des Impfstoffs - geplant für Mitte 2007 - eine 10-jährige Marktexklusivität innerhalb der gesamten EU sowie Gebührenermäßigungen bzw. -befreiungen während des Zulassungszeitraums. Für Ende 2006 will das Unternehmen um die BLA-Lizenz ansuchen (Biologics License Application), die Produktzulassung in den USA soll 2007 erfolgen.

Bei der Entwicklung eines therapeutischen Hepatitis C-Impfstoffs (IC41) gab es im zweiten Halbjahr 2005 "bedeutende Fortschritte". Laut einer kürzlich abgeschlossenen Studie ist IC41 "wesentlich immunogener" als bisher gezeigt, teilte Intercell mit. Erzielte Verbesserungen würden "die Erfolgskriterien für die weitere Entwicklung" erfüllen. Jetzt ist eine weitere Phase II-Studie mit optimierter Häufigkeit und Art der Verabreichung geplant, die im dritten Quartal 2006 beginnen soll. Erste Ergebnisse werden Mitte 2007 erwartet.

Internationale Investmentfonds

Gut 80 Prozent der Intercell-Anteile stehen in Besitz von internationalen Investmentfonds hauptsächlich aus Deutschland, der Schweiz, Großbritannien und den USA. Die größten Einzelpositionen entfallen auf die institutionellen Anleger Apax Europe (London) und MPM Bio Ventures (Boston), die je mehr als 10 Prozent halten, weiters die Münchner Techno Venture Management (TVM), Nomura (London) und die Wiener ATI Vermögenstreuhandgesellschaft, die je mehr als 5 Prozent der Anteile halten. Etwa zehn Prozent wurden beim Börsegang vor einem Jahr für Privataktionäre reserviert.

Das Biotech-Unternehmen Intercell hat sich auf die Entwicklung prophylaktischer und therapeutischer Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten mit hohem medizinischem Bedarf spezialisiert. Das "Antigen Identifikation Programm" (AIP) ermöglicht nach Angaben des Unternehmens "die Identifizierung relevanter Impfstoffantigene gegen nahezu alle bakteriellen Infektionen". Diese Antigene sind die Basis eigener Entwicklungsprogramme oder werden in Partnerschaften mit Unternehmen wie Sanofi Pasteur, Merck & Co, SciGen und dem Statens Serum Institut eingesetzt. (APA)

Share if you care.