Aus für Vodafone in Japan

27. März 2006, 15:59
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Weltweit größter Anbieter von Handytechnologie zieht sich aus dem Hightechland zurück - Internetfirma Softbank will einsteigen

Der Name Vodafone wird wohl bald aus den Gedächtnissen von japanischen Mobilfunkkunden verschwunden sein: Vodafone zieht sich als weltweit größter Anbieter von Handytechnologie ausgerechnet aus dem Hightechland Japan zurück. Verhandelt wird mit Softbank, einem der größten Investoren im Internetbereich, über eine Übernahme von Vodafone Japan.

Beide Unternehmen bestätigten am Wochenende Verhandlungen. Die Akquisition wird Softbank voraussichtlich eine Billiarde Yen (ca. acht Milliarden Euro) kosten. Es handelt sich dabei um eine der größten Transaktionen im Mobilfunkgeschäft. Vodafone hat rund 2,5 Millionen Kunden in Japan, die jene Handys der jüngsten Generation mit schnellen Datenübertragungsraten benutzen. Damit ist das Unternehmen nach NTT DoCoMo (21,18 Millionen Kunden) und KDDI (20,85 Mio. Kunden) drittgrößter Anbieter in Japan.

Fehlentscheidungen

Softbank ist bereits in der Festnetztelefonie vertreten. Vodafone hatte erst 2001 durch die Übernahme von Japan Telekom und seiner Mobilfunklinie J-Phone japanisches Territorium betreten. Gerhard Fasol, Chef des Consultingunternehmens Eurotechnology Japan, nennt die Probleme von Vodafone: "Das Unternehmen hat über Jahre hinweg Fehlentscheidungen in Japan getroffen, wodurch der Marktanteil fiel." Damit wurde Vodafones Profitabilität stark beeinträchtigt, während gleichzeitig hohe Investitionen notwendig gewesen wären.

Es wurde zu wenig in Antennen und Sendeanlagen investiert. Wollte Vodafone weitermachen, wären Investitionen von Milliarden Dollar pro Jahr notwendig, sagt Fasol. Einer der gravierendsten Fehler Vodafones: "Man hat sich zu sehr um sich selbst und Shareholder-Relations gekümmert, statt um den japanischen Kunden." Beispielsweise hatte Vodafone auch in Japan auf seiner globalen Werbestrategie bestanden. Herr und Frau Japaner fühlten sich also nicht angesprochen. (Andrea Waldbrunner aus Tokio, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.3.2006)

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