Staatschef stellt sich offen gegen Premier

7. März 2006, 14:07
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Talabani: "Wollen in neuer Regierung wirkliche Partner und nicht Minister ohne Meinung sein"

Bagdad/Wien - Der irakische Staatspräsident Jalal Talabani hat sich offen gegen eine weitere Amtszeit des von der schiitisch-religiösen Mehrheitsfraktion unterstützten Premierminister Ibrahim al-Jafari ausgesprochen. Talabani, ein Kurde, schloss sich damit Bedenken kurdischer, sunnitischer und säkularer Politiker gegen Jafari an.

Sunnitische und kurdische Politiker wollten in der neuen Regierung "wirkliche Partner und nicht Minister ohne Meinung sein", sagte Talibani. Die Kurden vermuten Jafari hinter der Blockadehaltung, die ölreiche multiethnische Stadt Kirkuk ihrem Einflussbereich anzugliedern. Das will auch die Türkei verhindern. Jafari soll bei seinem jüngsten umstrittenen Besuch in Ankara angeblich zugesagt haben, dass Kirkuk nicht dem kurdischen Gebiet zugeschlagen würde.

Qadir im Hungerstreik

Der in einem ersten Verfahren zu 30 Jahren Gefängnis verurteilte Kamal Said Qadir, ein Österreicher irakischer Abstammung, begann einen neuen Hungerstreik, um seine Freilassung zu erzwingen. Qadir war im Oktober 2005 im Kurdengebiet im Nordirak festgenommen und später wegen "Entehrung der kurdischen Führung" verurteilt worden. Der 48-Jährige hatte dem kurdischen Regierungschef Massud Barsani in Internetbeiträgen unter anderem Korruption vorgeworfen. Qadirs Prozess wurde am Sonntag neu eröffnet. (AP, Reuters, DER STANDARD, Print, 6.3.2006)

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