Kein Pilot sieht so ziemlich alles

13. März 2006, 12:39
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Im Militärjargon heißen unbemannte Flugzeuge "Drohnen". Die derzeit weltweit einzige Hubschrauber-Drohne kommt aus Österreich - und entwickelt sich gerade zu einem - natürlich ferngesteuerten - Welthit

Natürlich könnte man auch einen echten Hubschrauber nehmen und den via Fernsteuerung bedienen. Schließlich sollte man einiges über das Hubschrauberpilotieren wissen, bevor man sich an die Bedienung des Camcopters macht. Und genau genommen kann der Camcopter S-100 ja nichts, was ein regulärer Hubschrauber nicht auch könnte. Das gibt Stefan Vieweg gerne zu. Und ist trotzdem zuversichtlich. Und weil Vieweg nicht Designer, sondern Finanzer ist, hat das erst in zweiter Linie mit der Anmutung und der Ästhetik zu tun, und in erster mit dem Faktor Zehn.

Der - der Faktor nämlich - macht das unbemannte Fluggerät aus Österreich zu einem ziemlich heißen Ticket auf dem Techno-Markt. Im militärischen wie im zivilen: Der vom - eigentlich auf die Herstellung von Minensuchgeräten spezialisierten - Wiener Unternehmen Schiebel entwickelte Hubi kostet nämlich höchstens ein Zehntel seiner großen, bemannten Geschwister. Und das sowohl in der Anschaffung als auch im Betrieb: "Eine Million Euro pro Stück und rund 200 Euro pro Flugstunde", rechnet Vieweger vor.

Und genau deshalb komme man mit dem Produzieren des 100-Kilo-Helikopters kaum nach: Mitte 2005 wurden die ersten "Unmanned aerial vehicles" (UAV) verkauft. Und bei einem aktuellen Auftragsstand von 70 Millionen Euro muss, wer sich erst jetzt zum Ordern entschließt, bis Mitte 2007 warten - und Grenzen oder Pipelines weiter wie bisher be- und überwachen.

Denn genau dafür ist das 200 km/h schnelle Insekt (Reichweite: 200 Kilometer, maximale Flughöhe: 18.000 Fuß) entwickelt worden. Zur Überwachung und Aufklärung - mit dem bestmöglichen Sensorium: Tag- und Nachtsichtgeräte, Bodenradar, Infrarot- und Wärmekameras, aber auch Gase und andere Stoffe erschnüffelnde Fühler etwa schicken Sichtungen und Erkenntnisse in Echtzeit an das Personal am Boden. Und in Zukunft sollen - unter anderem - Verkehrsströme erkannt und analysiert werden.

Derzeit aber werden "nur" Pipelines auf Materialermüdung sowie Grenzen auf Dichtheit überwacht, erklärt Schiebel-Sprecher Vieweg: Bisher wurden drei Camcopter S-100 nach Saudi-Arabien verkauft, zwei weitere fliegen überall dort, wo es potenzielle Kunden gibt. Und das sind natürlich auch Militärs. Denn das unbemannte Fluggerät wäre auch in Kampfeinsätzen hocheffizient - freilich nicht als Waffe, sondern als Aufklärer und Zielerfasser: Die maximal zuladbaren 50 Kilo sind für eine "sinnvolle" Bewaffnung zu wenig.

Ganz abgesehen davon würde das die Freude, die man in Österreich an dem in fünfjähriger Entwicklungsarbeit ersonnenen High-Tech-Ding derzeit hat, deutlich trüben: Der Camcopter S-100 hat im Herbst den Adolf-Loos-Staatspreis für Design eingeheimst und "tourt" als Vorzeigeobjekt österreichischer Gestalter-und Ingenieurskunst durch die ganze Welt. Und vergangenen Donnerstag war das 1951 in Wien gegründete Unternehmen (nachdem man davor die Wiener Landesausscheidung souverän gewonnen hatte) mit seinem Nano-Heli auch im Finale des österreichischen Staatspreises für Innovation.

Freilich, gibt Vieweg zu, klebt der Libelle noch ein (kleiner) Wermutstropfen am schicken Rumpf: Die Drohne (so heißen unbemannte Flugobjekte im Militärjargon) hat noch nirgendwo auf der Welt eine volle, zivile Flugzulassung. "Wir fliegen noch mit experimentellen Zulassungen - denn die Behörden auf der ganzen Welt haben ein Problem damit, sich vom Bild des heroischen Piloten zu lösen, der in der Luft hinter dem Steuerknüppel sitzt." (Thomas Rottenberg/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 3. 2006)

  • Cooles kleines fliegendes Auge - nicht nur ferngesteuert, sondern darüber hinaus auch noch ziemlich effizient: Schiebels Camcopter S-100
    foto: schiebel/foto: planetsociety kommunikationsagentur gmbh

    Cooles kleines fliegendes Auge - nicht nur ferngesteuert, sondern darüber hinaus auch noch ziemlich effizient: Schiebels Camcopter S-100

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