Nano-Tests auf Herz und Nieren

13. März 2006, 12:39
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Innsbrucker Nanopartikel-Forscher sind die oberste Instanz des Wissenschaftszweigs

Paul Debbage ist eine Kontrollinstanz. Wenigstens für die Nanospezialisten, die in Österreich die winzigen Partikel einsetzen möchten, um Krankheiten zu erkennen und zu heilen. An die Radiologie I der Uni-Klinik in Innsbruck gelangen alle Partikeltypen des österreichischen Nanohealth-Konsortiums, um sie dort unterm Elektronenmikroskop und im Magnetresonanz-Imaging (MRI) auf "Herz und Nieren" zu testen.

"Schließlich wollen wir nur Verfahren entwickeln, die ungefährlich sind", sagt Debbage, Nanopartikel-Forscher in Innsbruck. Bislang ist noch unklar, wie sich die medizinisch wirksamen "Staubkörner" im Körper verteilen. Falls die Partikel nicht entsprechend vorbereitet werden, könnten sie sich etwa in den Nieren sammeln und Entzündungen auslösen. "Alle möglichen Risiken müssen zuvor abgewogen und getestet werden", so Debbage. Die Versuche mit unbeladenen Nanokügelchen in Schweinen stehen kurz bevor. Verlaufen die Tests erfolgreich, "schließen wir Untersuchungen mit wirkstoffbeladenen Nanoteilchen direkt an", sagt er. In etwa einem Jahr sei es so weit.

Doch die Innsbrucker prüfen nicht nur. Gemeinsam mit der Universität Wien entwickelten sie ein Nano-Kontrastmittel. Um Tumore oder Herzinfarkte zu finden, benötigen Ärzte Bilder. Und anders als beim Röntgen belastet das MRI die Patienten nicht mit Strahlungen. Es hat jedoch einen Nachteil: MRI liefert bislang nur mäßig scharfe Bilder. "Um winzige Krankheitsherde darzustellen, braucht man ein Kontrastmittel, das hell leuchtet", erklärt Paul Debbage.

So entwickelten Chemiker am Anorganischen Institut der Uni Wien Partikel, die das Metall Gadolinium enthalten - und im MRI extrem hell leuchten. Mit klinischen Biochemikern aus Innsbruck koppeln die Experten die so beladenen Nanobällchen an ein Eiweiß aus Tomatensaft, das sich an die Wände der Blutgefäße anlagert.

An Kleintieren konnten die Innsbrucker Forscher ihre "Nano-Angiografie" erfolgreich testen. Heuer werden sie Schweine mit ihrem neuen MRI-Verfahren durchleuchten. "Mit einem Tier dieser Größenordnung liegt man schon nah am Menschen", so Debbage.

Im nächsten Schritt wollen die Wissenschafter ihr Verfahren so weit verfeinern, dass auch kleine Gefäß- und Gewebeschäden zu erkennen sind. "Um dann Tumore oder andere Erkrankungen zu diagnostizieren, benötigt man lediglich ein geeignetes "Targeting"-Protein, das die gewünschten Gewebe gezielt erkennt", sagt Debbage.

Die Arbeit erntet nicht nur akademisches Lob. Sie findet auch in der Wirtschaft Anerkennung. So werden die Projekte von der Oesterreichischen Nationalbank gefördert - "die einzige Zentralbank weltweit, die einen eigenen Forschungsfonds gegründet hat", so Debbage.

Und erst im vorigen Jahr wurde eine der Mitarbeiterinnen im Projekt mit dem Inits-Preis des austria wirtschaftsservice ausgezeichnet. (grab/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 3. 2006)

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