Wenn Autos andere Autos warnen können

13. März 2006, 12:39
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Das steirisches Technologieunternehmen Efkon AG gewinnt den Staatspreis für Innovation

Die Zahl der Verkehrstoten weltweit ist hoch: Rund eine Million Menschen kommen Jahr für Jahr im Straßenverkehr ums Leben, weitere zehn Millionen überleben schwer verletzt. Deshalb wird an vielen Fronten um eine Verbesserung der allgemeinen Verkehrssicherheit gekämpft.

Eine ganz konkrete Idee kommt aus der Steiermark. Dort hat das Technologieunternehmens Efkon AG ein System auf Infrarotbasis entwickelt, das Fahrzeuge mit einer technischen Infrastruktur ausstattet, die sie Gefahren auf der Straße selbstständig erkennen lässt. Revolutionär daran ist, dass die Autos in der Folge Warnungen aussenden und diese selbstständig untereinander weiterleiten.

"Car-to-Car-Communication" ist dabei das Fachwort für eine Entwicklung, in der Efkon mit seinem Iso-Calm-Infrarot-Standard eine führende Rolle spielt. Am 2. März wurde das steirische Unternehmen dafür vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit mit dem Staatspreis für Innovation ausgezeichnet.

"Vor fünf Jahren galten unsere Ideen als Hirngespinste, deshalb freuen wir uns umso mehr über die Auszeichnung, die für unser Team Bestätigung und Ansporn gleichzeitig ist", meint Raimund Pammer, technischer Geschäftsführer von Efkon, der lange vor seiner Konkurrenz das Potenzial von Infrarot erkannt hat. "Mit unserer Technologie können wir in Millisekunden Datentransferleistungen zustande bringen - im Straßenverkehr ist das entscheidend", erklärt Efkon-Forschungsleiter Andreas Schalk. Und seine Prognose? Autos werden zukünftig mit Infrarot-Sicherheitstechnologie ausgestattet sein.

Frühwarnsystem

Wer dann etwa an einer Autobahnauffahrt Gefahr läuft, zum Geisterfahrer zu werden, wird automatisch von einer Infrarotschranke auf der Fahrbahn gewarnt.

Oder ein anderes Beispiel: Wer mit seinem Auto unterwegs ist und plötzlich bremsen muss, aktiviert automatisch das Infrarot-Warnsystem. Dieses formuliert eine Gefahrenmeldung und leitet sie an die nachkommenden Autos weiter. Das funktioniert etwa so wie "Stille Post" - nur eben von Fahrzeug zu Fahrzeug; und Lenker können sich besser auf gefährliche Situationen einstellen. Auch auf EU-Ebene hat Verkehrssicherheit Priorität. Für seine E- Safety-Initiative hat die Europäische Union 140 Millionen Euro Forschungsmittel zur Verfügung gestellt.

Dass ein österreichisches Technologieunternehmen bei der Entwicklung an der Spitze dabei ist, freut vor allem auch Peter Takacs, Geschäftsführer der Förderbank austria wirtschaftsservice: "Die Kraft der Innovation für eine dynamische Entwicklung nutzbar zu machen ist unser Ziel", sagt er. Die Efkon AG ist für die Förderbank deshalb auch ein Vorzeigeprojekt. Mit Infrarot-Mautsystemen ist die Efkon AG heute in China, Taiwan, Malaysia, Südkorea und Indien präsent; zudem ist der steirische Technologielieferant der weltweit größte Hersteller von Lesegeräten für kontaktlose Chipkarten. "Nach der erfolgreichen Standardisierung arbeiten wir nun mit Hochtouren an der Vermarktung", erklärt Pammer. Im Frühjahr 2007 will man mit der neuen Infrarot-Technologie in Taiwan starten.

Den brandneuen Chip hatten die Sieger des Staatspreises bei der Preisverleihung dabei. Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein konnte stolz sein: Im europäischen Innovationsranking ist Österreich gegenüber dem Vorjahr von Platz 15 auf Platz acht aufgerückt. Mit dem Staatspreis, der dieses Jahr zum 26. Mal verliehen wurde, wolle man der Innovation als treibendem Faktor in der Weiterentwicklung der Wirtschaft auch weiterhin eine Bühne bieten. (pok/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 3. 2006)

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