Interview: BL-Präsident Martin Pucher

17. März 2006, 19:25
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Der Mattersburg-Boss über die Heim-EM 2008 und den notwendigen ballesterischen Lobbyismus bei der Wertsicherung der TV-Rechte

Standard: Am Mittwoch sind Sie zum neuen Bundesligapräsidenten gewählt worden. War Ihr Rücktritt als Mattersburg-Chef da eigentlich noch ein Thema?
Pucher: Rapids Rudi Edlinger hat noch einmal gesagt, dass er kein Problem mit mir hätte, wenn ich die Aufgabe bei Mattersburg zurücklegen würde. Aber ich habe dann schon darauf hingewiesen: Ich bin ja nicht als Bundesliga-Präsident gefragt worden, ob ich Mattersburg-Obmann werden will. Es war umgekehrt. Das ist ein kleiner, aber doch wesentlicher Unterschied.

STANDARD: Die Heim-EM 2008 steht vor der Tür, da ist auch die Liga gefordert. Teamchef Josef Hickersberger hat nach dem 0:2 gegen Kanada eine Radikalreform der Meisterschaft angeregt. Können Sie dem etwas abgewinnen?
Pucher: Eine Ganzjahresmeisterschaft ist für mich undenkbar. Alle zwei Jahre gibt es eine EM und WM, die UEFA und die FIFA wird da auf uns keine Rücksicht nehmen, dann müssten wir die Meisterschaft unterbrechen.

STANDARD: Und eine verkürzte Meisterschaft 2008 nach dem Vorbild Südkoreas?
Pucher: Eine wunderbare Forderung. Aber dann muss mir jemand erklären, wer den Einnahmen-Entfall zahlt, die Löhne, die Sozialabgaben. Jeder einzelne Verein ist doch ein Wirtschaftsbetrieb - und gar kein so kleiner.

STANDARD: Was kann, was wird die Liga also tun?
Pucher: Das Wichtigste ist ohne Zweifel der Österreicher-Topf, den wir im Frühjahr 2004 als Gegenmodell zum Tigers-Team, eine elfte Ligamannschaft außer Konkurrenz, entwickelt haben. Das war der wohl weitest reichende Beschluss im österreichischen Fußball in den letzten zehn, 15 Jahren. Wir können ja den rechtlichen Rahmen nicht ändern. Aber wir haben gesagt: Wir setzen wesentliche Gelder ein zur Förderung österreichischer Spieler. Es ist ja kein Zufall, dass die deutsche Bundesliga sich jetzt den Österreicher-Topf zum Vorbild nehmen will.

STANDARD: Der Österreicher-Topf speist sich aus den Fernsehgeldern ...
Pucher: . . . 50 Prozent des der T-Mobile zustehenden Geldes kommt in den Topf. Bezugsberichtigt sind jene Vereine, die mindestens neun Österreicher auf dem Blankett haben. In der Red-Zac-Liga sind nur drei Legionäre zugelassen.

STANDARD: Das Konzept der positiven Diskriminierung durch den Österreicher-Topf hängt aber eben am Entgelt für die TV-Rechte. Was kann die Liga da gegen den Wertverlust durch das Verwaltungsgerichtshof-Urteil machen?
Pucher: Das Urteil können wir uns nicht gefallen lassen, das geht an unsere Existenz.

STANDARD: Aber was kann die Bundesliga gegen ein Höchstgerichtsurteil tun?
Pucher: Der Verwaltungsgerichtshof hat sich an Gesetze zu halten. Die haben Politiker gemacht und können sie auch ändern, darauf drängen wir. Wenn das U 2-Konzert mit 55.000 Leuten im Happel-Stadion nicht von größerem öffentlichen Interesse ist als Ried - Mattersburg oder Mattersburg - Admira, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Und außerdem: Da würde ich gerne zuschauen, wenn die OMV gezwungen wird, zehn Prozent ihres Benzins billiger abzugeben aus öffentlichem Interesse.

STANDARD: Aber so sagt es eben der Verwaltungsgerichtshof.
Pucher: Bei den meisten Klubs sind die TV-Gelder rund 25 Prozent des Budgets. Das zu beeinträchtigen, rührt an der existenziellen Grundlage. Das heißt aber auch: Weniger Geld für die Österreicher-Förderung, damit auch Benachteiligung des Teams. Vielleicht bin ich naiv: Aber ich glaube nicht, dass die Politik hunderte Millionen in Stadien und Infrastruktur steckt und gleichzeitig dem Spitzenfußball die Basis abgräbt.

STANDARD: Könnte es auch Kampfmaßnahmen geben? Eine deshalb abgesagte Runde zum Beispiel?
Pucher: Wir hoffen, dass es durch Thematisierung und Sensibilisierung zu einer vernünftigen Korrektur kommt. Wir sind uns aber auch bewusst, dass heuer ein Wahljahr ist. Ein Wahljahr hat Vor-und Nachteile, die näher zu erörtern aber noch nicht sinnvoll ist. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 6. März 2006, Wolfgang Weisgram)

ZUR PERSON:
Martin Pucher (50) ist Obmann des SV Mattersburg, war geschäftsführender Stellvertreter von Frank Stronach und ist seit Mittwoch Präsident der Bundesliga. Foto: APA

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