Kopf des Tages: David Mills

8. März 2006, 16:10
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Die Dienste des Weltbürgers für Berlusconi wurden zum Problem für Tony Blair

Er ist ein echter Weltbürger, dieser sehr talentierte Mr. Mills, der Silvio Berlusconi so gut kennt, dass er ihn nur den Dottore nennt. David Mills kennt sich aus in einer Welt, in der man wissen muss, wo die Virgin Islands liegen, wann das erste Flugzeug vom Londoner City-Airport zur Kanalinsel Jersey geht und wie es aktuell um die Geschicke Gibraltars steht. Der 61-Jährige ist in der Welt der Steueroasen zu Hause. Ein hochkarätiger Anwalt, spezialisiert auf internationales Wirtschaftsrecht, mit besten Kontakten, von denen er einen vielleicht im Nachhinein bedauert - den heißen Draht zum Dottore.

Das Weltbürgerliche war ihm gewissermaßen in die Wiege gelegt, als er 1944 geboren wurde. Stationiert am Affenfelsen zu Gibraltar, fädelte sein Vater Kenneth heikle Operationen der britischen Spionageabwehr ein.

Kaum dass Klein-David ein paar Sätze auf Englisch sagen konnte, lernte er auch schon Spanisch. Französisch, Griechisch und Latein vervollständigten bald darauf sein Repertoire. Als er berufsbedingt Italienisch lernen musste, tat er das so schnell, dass Freunde verblüfft den Hut zogen. Standesgemäß studierte Mills im elitären Oxford, Politik- und Wirtschaftswissenschaften am University College.

Mitte der 1960er-Jahre stieß er zur Labour-Partei und zog für selbige ins Rathaus von Camden, einem Nordlondoner Stadtbezirk von fast legendärem Rang. Camden, ein Synonym für New Labour: Dort verabredete sich Tony Blairs Toskana-Fraktion gern zum Rotwein in schicken Restaurants, bevor sie das Regieren erlernte. Dort ist es aber nie weit bis zum nächsten, oft heruntergekommenen Sozialwohnungsblock.

In Camden lernte Mills eine hübsche, ehrgeizige Sozialarbeiterin kennen, eine junge Labour-Aktivistin namens Tessa Jowell, die sich redegewandt um einen Parlamentssitz bemühte. 1979 heirateten die beiden, ein Paar, das Blairs "Neue Mitte" geradezu klassisch zu symbolisieren schien.

Mills, der Weltbürger, hatte inzwischen eine internationale Anwaltskanzlei aufgezogen. 1980 kreuzten sich seine Wege mit denen eines anglophilen Mailänders. Marino Bastianini vermittelte wohlhabende Mandanten, die sich gern Rat holen wollten bei einem cleveren Briten. Einem seiner Klienten half Mills, sein Geld um den halben Erdball zu schleusen, von Steueroase zu Steueroase. Silvio Berlusconi, ein Bauunternehmer mit horrenden Schulden, der sich anschickte, ein Medienimperium zu gründen, wurde sein wichtigster Kunde.

"Mr. B hätte ein Meer von Problemen, wenn ich alles gesagt hätte, was ich wusste", notierte der Londoner 1998, nachdem er Berlusconi vor italienischen Richtern vor Ärgerem bewahrt hatte. Als Prämie flossen 600.000 Dollar. Mills bestreitet, dass das Geld vom Dottore kam. Allein, es glaubt ihm kaum einer. (Frank Herrmann/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.3.2006)

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