Nachlese: Massenproteste gegen Premier Thaksin Shinawatra

30. Juni 2006, 12:52
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Zehntausende Menschen demonstrieren - Vorwurf der Vermischung politischer und geschäftlicher Interessen

Bangkok - Eine Woche vor der vorgezogenen Parlamentswahl in Thailand haben abermals zehntausende Menschen gegen die Regierung von Ministerpräsident Thaksin Shinawatra demonstriert. Am Sonntag zogen schätzungsweise 50.000 Menschen durch die Hauptstadt Bangkok und riefen "Thaksin raus!". Am Abend zuvor hatten rund 100.000 Menschen den Rücktritt Thaksins noch vor der Parlamentswahl am 2. April gefordert und Kerzen angezündet, wie dies auch am Geburtstag des thailändischen Königs üblich ist.

Dem schwerreichen Ministerpräsidenten und Ex-Unternehmer wird unter anderem die Vermischung politischer und geschäftlicher Interessen vorgeworfen. Thaksin hatte unter wachsendem politischen Druck das Parlament aufgelöst und Neuwahlen für den 2. April angesetzt. Die drei wichtigsten Oppositionsparteien im Abgeordnetenhaus kündigten einen Boykott der Abstimmung an.

Umstrittener Verkauf

Die Massenproteste begannen Anfang Februar, nachdem Thaksins Familie Anteile des von ihr kontrollierten Telekom-Konzerns Shin Corp im Wert von umgerechnet 1,6 Milliarden Euro an eine Singapurer Staatsholding verkauft hatte. Der Handel war steuerfrei und erst durch ein kürzlich erlassenes Gesetz möglich geworden. Seine Gegner werfen dem Regierungschef zudem Missachtung demokratischer Kontrollorgane, Korruption und Vetternwirtschaft vor.

Auch weil die Opposition der geplanten Wahl fernbleiben will, wird von einem klaren Sieg von Thaksins Thai-Rak-Thai- (Thais lieben Thais) Partei ausgegangen. Wegen des Boykotts ist aber unklar, ob nach der Wahl ein funktionierendes Parlament zustande kommt. Thai Rak Thai hatte die vorangegangene Abstimmung zum Abgeordnetenhaus im Februar 2005 mit überragender Mehrheit für sich entschieden.

Oppositionsführer appellierten an König Bhumibol Adulyadej, er solle sich in die politische Krise des Landes einschalten. Der Konflikt sei in eine Sackgasse geraten, da Thaksin sich weiter weigere zurückzutreten. (APA/dpa/AP)

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    Die Demonstranten forderten vehement den Rücktritt von Ministerpräsident Shinawatra: "Wir bleiben hier, bis Thaksin zurücktritt!"

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