Klien: "Es sieht nicht allzu rosig aus"

7. März 2006, 17:11
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Red-Bull-Pilot fürchtet vor dem Start in die Saison besonders mangelnde Standfestigkeit des neuen Motors

Wien - Christian Klien sieht sein Red-Bull-Team vor dem Saisonauftakt 2006 am kommenden Sonntag in Bahrain auf Grund zahlreicher Probleme in der Außenseiterrolle. Im APA-Interview spricht der Vorarlberger über die Erwartungen für die kommende Saison

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Sie wohnen seit März in der Schweiz, wie Schumacher, Villeneuve, Heidfeld, Räikkönen und neuerdings hat sich auch Weltmeister Alonso dort ein Haus gekauft. Muss man jetzt 'Gruezi' sagen?
Klien: "Nein, nein. Servus bleibt. Es ist ja nur eine Viertelstunde von mir in Hohenems und ich wohne dort nur. Die meiste Zeit bin ich ja auf der ganzen Welt unterwegs."

Die Gründe für den Umzug liegen auf der Hand ...
Klien: "Ich habe schon länger eine Wohnung gesucht, aber steuerlich ist es natürlich kein Nachteil. Man hat als Formel-1-Fahrer vielleicht zehn Jahre Zeit, Geld zu verdienen."

Zum Sportlichen: Die Wintertests sind alles andere als optimal verlaufen.
Klien: "Es sieht tatsächlich nicht allzu rosig aus. Wir haben Probleme mit der Standfestigkeit, dem Motor, der Kupplung."

Wie konnte das passieren?
Klien: "Alle Teams hatten mit der Umsetzung der neuen Regeln und den neuen V8-Motoren Probleme. Auch wir haben ein Auto, das von Grund auf neu ist. Wir hatten anfangs Überhitzungsprobleme, konnten nur zwei, drei Runden am Stück fahren. Das Auto mit den neuen Seitenkästen ist dann eher spät gekommen, und dann ist uns die Zeit förmlich davongeronnen. Wir kamen am Ende ordentlich ins Schwitzen."

Vor allem die Motorenprobleme überraschen, immerhin steht da Ferrari drauf.
Klien: "Ferrari hat die gleichen Probleme wie wir. Oder besser: Wir haben die gleichen Probleme wie Ferrari."

Kann man da für den Saisonauftakt überhaupt viel erwarten?
Klien: "Für die ersten drei Rennen nicht wirklich. Wer in diesen Rennen standfest ist, wird gute Ergebnisse erzielen. Da haben wir sicherlich einen Nachteil. Ich kann nur drauf bauen, dass das Auto auf einer Runde wirklich schnell ist. Unser Motto ist: Pech im Test, Glück im Rennen. Hoffentlich!"

Punkto Standefestigkeit müssten die "kleinen Bullen" von Toro Rosso dank der gedrosselten V10-Motoren klare Vorteile haben.
Klien: "Definitiv! Wenn Viele ausfallen, kommen sie vielleicht auf Anhieb in die Punkte. Ich schätze mal, dass die Motoren aber weiter gedrosselt werden, wenn sie zu schnell sind. Auf der Geraden sind die Toros aber deutlich langsamer."

Wozu ist Red Bull Racing in der Lage?
Klien: "Wir können uns für die Top-Acht qualifizieren. Die Frage ist, ob wir durchfahren können. Wenn ja, kommen wir in die Punkteränge."

Und ihr persönliches Ziel?
Klien: "Ich möchte meinen Teamkollegen David Coulthard so richtig ärgern, ich will ihm das Leben so schwer wie möglich machen. Er ist ein starker Racer. Aber ich weiß, ich kann ihn schlagen."

Auch weil es darum geht, wer 2007 im Newey-Auto sitzt und damit möglicherweise echte WM-Chancen hat?
Klien: "Ganz klar. Ich werde heuer im zehnten Jahr von Red Bull unterstützt. Ich möchte, dass das weitergeht."

Besteht besonderer Druck, weil Red Bull aus dem eigenen Lager schneller als andere Teams sofort andere Piloten bereit hätte?
Klien: "Ich empfinde weniger Druck als im Vorjahr mit dem ständigen Cockpit-Tausch. Wenn ich eine perfekte Leistung bringe, kommt ohnehin alles ins Rollen. Wenn die Leistung passt, ist man bei Red Bull gut aufgehoben, auch wenn es mal nicht so gut läuft."

Wie bewerten Sie die drei großen Regeländerungen?
Klien: "Die V8-Motoren bedeuten 200 PS weniger und damit Änderungen im Fahrstil. Weniger Speed durch die Kurve, dafür früher wieder aufs Gas. Für die Zuschauer wird das aber keinen großen Unterschied machen.

Neues Qualifying und Reifenwechsel?
Klien: "Das dreigeteilte Qualifying ist eine große Herausforderung für Teams und Fahrer. Als Fahrer musst du drei Mal eine gute Runde hinlegen. Für die Zuschauer ist es wesentlich spannender, weil sie die Autos öfter sehen. Auch die Reifenwechsel sind positiv, weil sie einfach zum Motorsport dazugehören. Nur wegen dem Nachtanken reinzukommen, ist langweilig."

Die Formel 1 wird immer jünger, eine gute Entwicklung?
Klien: "Auf jeden Fall, wir haben ohnehin schon einige Senioren im Feld. Man muss sehen, dass heute schon mit zehn Jahren mit Motorsport begonnen wird. Man ist also hundertprozentig reif, mit 20 in die Formel 1 einzusteigen. Es wird Zeit, dass frisches Blut in die Formel 1 kommt."

Sie fahren selbst gerne und gut Ski. Wie haben sie Olympia erlebt?
Klien: "Die vielen Medaillen waren sensationell. Aber mich hat geärgert, dass alle Österreicher wegen des Dopings pauschal in einen Topf geschmissen wurden. Das war schade und gerade in der Schweiz besonders krass. Da spielte sicher der Neid eine große Rolle."

Würde Doping in der Formel 1 Sinn machen?
Klien: "Ich habe nie gehört, dass etwa Aufputschmittel Sinn machen würden. Ich bin selbst schon zwei, drei Mal nach dem Zufallsprinzip getestet worden. Kein Problem."

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