Al-Kaida droht Europäern im Karikaturstreit

9. März 2006, 14:27
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Der Vizechef der Terrororganisation rief zu Anschlägen und Boykott gegen mehrere europäische Staaten auf. Die Hamas solle ihren Kampf gegen Israel fortsetzen

Dubai/Moskau/Jerusalem - In einer dem stellvertretenden Al-Kaida-Chef Ayman al-Zawahiri zugeschriebenen Botschaft hat die Terrororganisation wegen der umstrittenen Mohammed-Karikaturen zu Anschlägen gegen den Westen aufgerufen. Zawahiri forderte zudem zu einem wirtschaftlichen Boykott mehrerer europäischer Länder auf und nannte dabei ausdrücklich Dänemark, Norwegen, Frankreich und Deutschland.

Die Beleidigung des Propheten sei Teil der Strategie der "Kreuzfahrer aus dem Westen", die von den USA angeführt würden, hieß es in der Sprachaufzeichnung, die am Samstag zunächst im Internet verbreitet und Zawahiri zugeschrieben wurde. Muslime sollten daher Anschläge im Westen verüben. Dabei sollten sie sich an den Anschlägen von New York, Madrid und London orientieren, hieß es. Die Muslime sollten den Westen auch abhalten, ihnen ihr Öl zu "stehlen".

Rat an die Hamas

In einem weiteren Teil seiner Botschaft, die als Video vom Nachrichtensender Al-Jazeera verbreitet wurde, wandte sich Zawahiri an die radikale Palästinenserorganisation Hamas, die in Moskau mit der russischen Regierung Gespräche über den Machtwechsel in den Autonomiegebieten führte. "An die Macht zu kommen ist kein Selbstzweck . . . und kein Palästinenser hat das Recht, auch nur ein Sandkorn des Bodens abzugeben", sagte Zawahiri. Die Hamas solle deshalb den bewaffneten Kampf gegen Israel fortsetzen.

Ein Mitglied der Hamas-Delegation in Moskau erklärte am Sonntag, die Organisation stehe Zawahiris Aufruf "neutral" gegenüber. "Das ist seine Meinung", sagte der Hamas-Politiker Mohammed Nazzal über den stellvertretenden Führer von Al-Kaida.

Putin informiert

Die Hamas lehnte während ihrer Gespräche in Moskau eine Anerkennung Israels und die Auflösung ihres bewaffneten Flügels ab. In Telefongesprächen mit US-Präsident George W. Bush, der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und dem israelischen Regierungschef Ehud Olmert informierte der russische Staatspräsident Wladimir Putin später über den Verlauf der Beratungen mit der Hamas. Russland gehört zusammen mit den USA, der EU und der UNO dem Nahost-Quartett an.

Führende Politiker der Fatah, der Partei des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas, lehnten am Sonntag eine Beteiligung an einer von der Hamas geführten Regierung ab, nachdem sich abzeichnete, dass die radikalislamische Bewegung nicht von ihrer Haltung gegenüber Israel abrücken würde. Designierter Premier ist Hamas-Politiker Ismail Haniyeh. (red, Reuters, AFP, DER STANDARD, Print, 6.8.2006)

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    Ayman al-Zawahiri (rechts, links im Bild Osama bin Laden, der nach wie vor Unauffindbare) fordert die Hamas zum weiteren Kampf gegen Israel auf.

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