Algerien: Regierung lässt islamistische Gefangene frei

7. März 2006, 13:31
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Amnestie Teil der "Charta für Frieden und nationale Versöhnung"

Algier - Fünf Monate nach dem Referendum über die "Charta für Frieden und nationale Versöhnung" sind in Algerien die ersten von rund 2000 islamistischen Häftlingen freigelassen worden. In kleinen Gruppen verließen sie am Samstag das Zentralgefängnis in der Hauptstadt Algier. Die Amnestie ist Teil der "Charta für Frieden und nationale Versöhnung", für die sich Ende September 97 Prozent der Bevölkerung ausgesprochen hatten. Die von Präsident Abdelaziz Bouteflika zur Abstimmung vorgelegte Charta soll das Ende der politischen Gewalt besiegeln, der seit 1992 offiziellen Schätzungen zufolge etwa 150.000 Menschen zum Opfer gefallen sind.

Freilassung von 2.000 Gefangenen

Die Regierung hatte am Mittwoch die Freilassung von 2.000 Gefangenen angekündigt. Begnadigt werden sollen demnach Gefangene, die bereits rechtskräftig verurteilt wurden, sich aber nicht wegen Massakern, Vergewaltigungen oder Bombenanschlägen schuldig machten. Noch nicht rechtskräftig verurteilte Häftlinge sollen von einer Haftumwandlung oder einer Strafmilderung profitieren. Zudem haben Rebellen, die keine blutigen Verbrechen begangen haben, sechs Monate Zeit, ihre Waffen abzugeben.

Versöhnungsangebot

Die Amnestie ist die zweite seit Bouteflikas Amtsantritt 1999. Der Bürgerkrieg in Algerien hatte nach den Parlamentswahlen 1992 begonnen. Damals errang die Islamische Heilsfront (FIS) einen triumphalen Sieg. Die Regierung annullierte daraufhin die Wahl und verbot die FIS.

Während 1999 viele Flügel der FIS auf ein Versöhnungsangebot der Regierung eingingen, kämpfen die Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) und die algerische Fundamentalistenorganisation Bewaffnete Islamische Gruppe (GIA) bis heute für einen gewaltsamen Sturz der Regierung und die Errichtung eines islamischen Staats. (APA)

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