Karl Jindrak beendet Karriere

16. März 2006, 11:46
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Gold mit Partner Werner Schlager bei EM 2005 in Aarhus größter Erfolg des Doppelspezialisten im Tischtennis

Wien - "Ach, ich kenn dich, du bist doch der ... der ... der Doppelpartner vom Schlager. Wie heißt du noch einmal?" Karl Jindrak ist diese Frage nicht nur einmal gestellt worden. Er stand im Schatten seines an Erfolgen reicheren und im medienwirksameren Einzel erfolgreicheren Doppelpartners Werner Schlager. Im Duo war er aber meist federführend, prägte den heimischen Tischtennis-Sport mit und wurde nach seinem Rücktritt am Sonntag dafür geehrt.

Jindrak kam als Achtjähriger zum Tischtennis nach Schwechat und blieb dem Verein 25 Jahre lang treu. Längst wird unter dem Namen SVS Niederösterreich und auch in Wolkersdorf gespielt, künftig wie schon zuletzt wird Jindrak dort als Coach fungieren und betreut damit auch seinen Freund Werner Schlager. Seit 1986 haben die Beiden zusammen gespielt, zuletzt standen sie im vergangenen Dezember gemeinsam an der Platte.

Vor 20 Jahren brachte ein Zufall Jindrak und Schlager zusammen, Schlagers Doppelpartner war krank geworden. Jindrak sprang bei der Schüler-EM ein und blieb an Schlagers Seite. Schon ein Jahr später machte die Paarung in den damals nicht vom Erfolg verwöhnten österreichischen Tischtennis-Kreisen von sich reden, als sie am 25. Juli 1987 in Athen jeweils 15-jährig Doppel-Bronze bei den Schüler-Europameisterschaften holte.

Zwei Jahre danach folgte in Luxemburg Jugend-EM-Silber, Jindrak und Schlager waren in ihren Altersklassen immer bei den Weltbesten. Das setzte sich bei den Erwachsenen fort und ging bis zur Nummer-eins-Position in der Doppel-Weltrangliste. Als weltweit einziges Doppel schafften Schlager/Jindrak die Qualifikation für alle bisherigen zehn Pro-Tour-Finalturniere. Nur mit einem ganz großen Erfolg wollte es lange nicht klappen.

Bei den Europameisterschaften 1998, 2000 und 2003 reichte es zwar jeweils zu Bronze, doch auf WM-Ebene war dreimal und auch bei Olympia 2000 im Viertelfinale Endstation. "Wir waren oft knapp dran, haben im Viertelfinale Matchbälle vergeben. Aber es hat nie ganz gereicht", erinnert sich Jindrak zurück. "Aber bei Olympia in Athen waren wir in der Form unseres Lebens." Doch die zugigen Bedingungen in der Halle behagten ihrem Spiel nicht.

Nach zehn Grand-Prix-Siegen klappte es dann schon unerwartet im vergangenen April doch noch, Jindrak wurde mit Schlager in Aarhus Doppel-Europameister. Das war für Jindrak das Signal zum allmählichen Ausklingen seiner Karriere. "Es ist das, was ich immer wollte - einen großen Titel", meint der Wiener. "Da macht es auch nicht mehr so viel, dass es bei WM und Olympia nie zu einer Medaille gereicht hat."

Aber selbst als Europameister stand Jindrak im Schatten Schlagers, bei deren gemeinsamen Manager Manfred Dimmy war Jindrak immer das Sorgenkind. Alle fragten nur wegen Schlager an, nie wegen Schlager/Jindrak und schon gar nicht ausschließlich wegen Jindrak. Doch der Weltverband (ITTF) erkannte die Qualitäten des Vaters zweier Söhne im Vorschulalter und sicherte sich dessen Dienste.

Als Turnier-Direktor auf der Pro Tour und in seiner Tätigkeit bei TMS, der Marketing-Agentur des Internationalen Verbandes, wird Jindrak Österreichs Tischtennis wie bereits in jüngster Zeit weiter gut vertreten. Und als Coach von SVS Niederösterreich wird er u.a. versuchen, ein neues österreichisches Parade-Doppel aufzubauen. Solch eines, wie es Karl Jindrak und Werner Schlager in den vergangenen 20 Jahren gewesen sind. (APA)

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    Karl Jindrak, vom Spieler zum Turnier-Direktor.

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