Kadyrow neuer Regierungschef von Tschetschenien

21. März 2006, 16:23
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29-jähriger Ramsan Kreml-Vertrauter und Führer einer gefürchteten Leibgarde

Moskau - Das Parlament der russischen Konfliktrepublik Tschetschenien hat den im eigenen Land umstrittenen Politiker und Truppenkommandanten Ramsan Kadyrow zum neuen Regierungschef ernannt. Der 29-jährige Sohn des im Mai 2004 ermordeten Präsidenten Achmat Kadyrow wurde am Samstag in der Hauptstadt Grosny einstimmig gewählt. Ramsan Kadyrow löst den kranken Regierungschef Sergej Abramow ab, dessen Stellvertreter Kadyrow bisher war. Kadyrow führt eine gefürchtete Leibgarde von etwa 5.000 Mann, die zum Großteil aus übergelaufenen Rebellen besteht, und gilt seit dem Tod des Vaters als mächtigster Politiker in seiner Heimat.

Härte

In seiner Antrittsrede als Regierungschef betonte Kadyrow, er wolle weiter eng mit Moskau zusammenarbeiten. Sein Sicherheitsapparat werde mit der nötigen Härte gegen die Rebellen sowie gegen "korrupte Beamte" vorgehen. Kadyrow sagte, sein Vater habe immer "das Verständnis und die Unterstützung" des russischen Präsidenten Wladimir Putin gehabt, und diese Unterstützung sei heute noch genau so groß. "Ich glaube, man schenkt mir Vertrauen, weil man meinem Vater Vertrauen geschenkt hat."

Politische Beobachter gehen davon aus, dass Kadyrow in nächster Zeit auch den tschetschenischen Präsidenten Alu Alchanow ablösen wird. Kadyrow erreicht widersprüchlichen Angaben zufolge Ende dieses Jahres das für das Präsidentenamt laut Verfassung notwendige Alter von 30 Jahren.

"Held Russlands"

Ramsan Kadyrow genießt seit Jahren das Vertrauen des Kremls, obwohl Menschenrechtler dem Politiker die Ermordung und Entführung von Zivilisten vorwerfen. Als Dank für sein hartes Vorgehen gegen Rebellengruppen wurde Kadyrow Ende 2004 von Staatspräsident Putin mit dem Orden "Held Russlands" ausgezeichnet.

Kritische Stimmen warnen auch, Kadyrow könnte sich mit zunehmender Macht vom Kreml abwenden und mehr Unabhängigkeit für seine Heimat einfordern. Die versuchte Abspaltung von Moskau hatte 1994 den ersten Tschetschenienkrieg ausgelöst. (APA/dpa)

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