Rapid setzt auf Offensive

5. März 2006, 17:04
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Coach Zellhofer will mit Pressing agieren - "Austria ist es nicht gewohnt, wenn sie unter Druck gesetzt wird"

Wien - Der österreichische Fußball-Meister SK Rapid sucht im 276. Wiener Derby am Sonntag (15:30 Uhr/live Premiere) im Happel-Stadion sein Heil in der Offensive. Zwar gelang den Hütteldorfern in ihren bisherigen beiden Frühjahrsauftritten im Spiel nach vorne nicht viel, das soll sich aber gegen die Austria ändern. "Nur abzuwarten, wäre gegen die Austria nicht die richtige Wahl", erklärte Trainer Georg Zellhofer.

Der zuletzt gesperrte Bazina kehrt in die Mannschaft zurück und wird wohl hinter den Spitzen Kincl und Akagündüz agieren, außerdem sollen der wiedergenesene Hlinka sowie Martinez für ein druckvolles Pressing sorgen. "Gegen die Austrianer sind die meisten Gegner auf Defensive bedacht. Sie sind es nicht gewohnt, wenn sie unter Druck gesetzt werden. Das wäre eine Möglichkeit, sie zu Fehlern zu zwingen", spekulierte Zellhofer.

Die "Flucht nach vorne" birgt aber einige Gefahren. Wie der Oberösterreicher eingestand, fehlte bei Rapid bisher sowohl die Stabilität in der Abwehr als auch die Kreativität in der Offensive. "Wir haben unsere Probleme, aber auch die Qualität, dass wir das wieder in die richtige Richtung biegen."

Trotz der jüngsten 1:3-Auswärtsniederlage gegen den GAK kommt das Derby laut Zellhofer zum richtigen Zeitpunkt. "Wir sind sehr zuversichtlich und hoffen auf ein gutes und für uns erfolgreiches Derby", sagte der Hickersberger-Nachfolger und hofft auf die mentale Stärke seiner Spieler. "Wichtig ist die innere Einstellung, das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen."

Ein schwieriges Unterfangen, haben die Favoritner doch in den vergangenen acht Partien weder Tor noch Niederlage kassiert. Der bisher letzte Gegentreffer fiel ausgerechnet im vergangenen Derby, beim 2:0 von Rapid am 22. Oktober im Horr-Stadion - seit dem Kincl-Tor wurde Goalie Didulica in 741 Spielminuten nicht mehr bezwungen und landete mit seiner Mannschaft in acht Partien bei drei Remis fünf Siege.

Die Violetten haben in ihren jüngsten elf Partien überhaupt nur zwei Treffer (beide gegen Rapid) kassiert. "Diese Statistik spricht für die Austria", meinte Zellhofer, der den Gegner noch stärker als dessen Titelrivalen Red Bull Salzburg einstuft und vor allem vor der spielstarken linken Austria-Seite mit Papac, Vachousek und Ceh warnte. Der 46-Jährige hat zwar bereits Erfahrungen mit Oberösterreich- und Graz-Derbys gemacht, in ein Duell der Wiener Erzrivalen war er bisher aber noch nicht involviert. "Ein bisschen Bauchkribbeln ist schon vorhanden."

Echtes Gänsehaut-Feeling wird im Happel-Stadion aber nur schwer aufkommen. Bis Freitagvormittag waren 17.100 Karten abgesetzt, die von Rapid angepeilte Marke von 25.000 Zuschauern wird sich wohl nicht ausgehen. Jene, die den Weg ins Prater-Oval finden, werden nicht zuletzt auf Grund des Konfliktes zwischen Lawaree (der nicht von Beginn an spielt) und Didulica mit erheblichen Sicherheitsvorkehrungen konfrontiert.

Ein Großaufgebot an Ordnern und Polizisten soll ähnliche Szenen wie im Horr-Stadion verhindern, als wegen eines Feuerwerkshagels auf Didulica mit 30-minütiger Verspätung angepfiffen werden musste. Außerdem erhält laut einer neuen Bundesliga-Regelung jeder, bei dem am Stadioneingang eine Leuchtrakete gefunden wird, eine österreichweite Stadionsperre von sechs Monaten. Wer beim Abfeuern eines solchen Utensils entweder von Einsatzkräften oder durch die Videoüberwachung ertappt wird, muss den österreichischen Fußball zwei Jahre lang ausschließlich vor dem Fernseher mitverfolgen.

Geht es nach Rapids Marketing-Leiter und Fan-Beauftragten Andi Marek, dann sollten die angedrohten Maßnahmen ihre Wirkung nicht verfehlen. "Ich fahre mit deutlich weniger Bauchweh zu diesem Spiel als im Oktober zum Derby ins Horr-Stadion." Lawaree hatte zuletzt angedeutet, eine Versöhnung mit Didulica in Betracht zu ziehen, die Entscheidung müsse aber der Belgier allein treffen, wie Zellhofer betonte. "Ich habe mit ihm nicht darüber gesprochen. Das ist seine Sache." (APA)

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