Mobiler Hotspot

29. März 2006, 11:21
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Beim Telefonieren wurde es schon vorgemacht, jetzt vollzieht sich auch beim Internet mehr und mehr der Wechsel zum Mobilen - die Personal Tools

In den vergangenen beiden Jahren haben wir mehr vom Handy als vom Festnetz aus telefoniert, derzeit etwa im Verhältnis 3:2; vor sechs Jahren stand das Match noch 1:2 für das Festnetz. Das beruht auf einer Mischung aus technischer und sozialer Entwicklung: Seit das Festnetz keinen Qualitätsvorteil mehr hat (was in der Regel der Fall ist), sind wir von der Leine befreit. Welchen Vorteil soll es auch haben, beim Telefonieren an einen bestimmten Ort gebunden zu sein?

Möglichkeiten

Diese Entwicklung beginnt sich beim Internet zu wiederholen. Auch hier öffnet uns die Technik das Tor, und vorerst lassen die Betreiber neue Kürzel herunterregnen, derzeit vor allem "HSDPA". Auf einen einfachen Nenner gebracht: UMTS (Universal Mobile Telecommunication Services) hat Übertragungsgeschwindigkeiten, die einem DSL/Kabel-Anschluss vor rund fünf Jahren entsprechen. Jetzt kommt eine Art Turbo, "High Speed Download Packet Access" (HSDPA), mit dem mobiles Internet fünfmal schneller als bei UMTS und damit etwa dort ist, wo die meisten privaten Festnetz-Leitungen vor ein, zwei Jahren waren.

Fragen

Mit anderen Worten: Seit T-Mobile vor drei Tagen den Turbo andrehte (Mobilkom war zwar früher dran, braucht aber noch bis Sommer für das ganze UMTS-Netz), schwindet der Vorsprung von Festnetz-Internet. Das öffnet die Frage, ob der gänzliche Verzicht auf die Leitung ins Haus schon sinnvoll ist.

Die verkürzte Antwort: Wer ohnehin bereits mit einer Datenkarte unterwegs ist und mobiles Internet mit einem der angebotenen Flat-fee-Pakete benutzt, könnte sich die zweite Anschlussgebühr daheim sparen - aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Erstens muss der UMTS/HSDPA-Empfang einwandfrei sein, was auch in Städten nicht immer garantiert ist. Zweitens muss die Datenmenge stimmen, denn Download von Musik oder Video sprengt schnell die Datenlimits, was kostspielig ist. Nur um in der Wohnung mobil zu sein, ist mobiles Internet zu teuer - dafür ist ein Wi-Fi-Netz (Wireless Lan) daheim die richtige Lösung.

Potential

Interessant ist aber eine andere Anwendung: Mittels Mobilfunk einen mobilen Hotspot - also drahtlose Anschlüsse für mehrere Notebooks über Wi-Fi (Wireless Lan) - einzurichten. Dazu braucht man einen "Wireless Router", ein Verteiler für Internetanschlüsse: Das kleine Kästchen stellt über UMTS (die Datenkarte wird beim Router statt am Notebook eingesteckt) eine Internetverbindung her; diese Daten werden über Wi-Fi oder Ethernet-Kabel an PCs verteilt.

Damit kann man z.B. eine UMTS-Karte im Haushalt teilen (bis der Kartenhauptbenutzer damit auf Reisen geht - ein Grund mehr, bis auf weiteres die Leitung daheim noch nicht zu kündigen). Der Fantasie, was man mit einem mobilen Hotspot noch alles anfangen kann, sind kaum Grenzen gesetzt: Vom Internet-Zugang bei Meetings oder Seminaren bis zur Verteilung im Ferienhäuschen. Mobilkom bietet einen "3G/UMTS-Router" um 200 Euro an, T-Mobile plant Ähnliches bis zum Sommer. Vorsicht: Die Installation kann einfach gehen, aber Sie sollten sich schon beim Kauf möglichen Support sichern. (Helmut Spudich / DER STANDARD Printausgabe, 04.03.2006)

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