US-Bürger beschuldigt Israel der Folter

6. März 2006, 20:35
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Fünf Jahre in Israel inhaftiert - Prozess wegen Unterstützung der Hamas

Chicago - Ein fast fünf Jahre in Israel inhaftiert gewesener und in den USA wegen Unterstützung der radikalen Palästinenserorganisation Hamas beschuldigter US-Bürger hat dem israelischen Militär brutale Verhörmethoden vorgeworfen. Die Anwälte von Muhammad Salah erklärten bei einer Anhörung vor einem Gericht in Chicago am Freitag, die Aussagen ihres Mandanten in Israel seien durch physische und psychische Folter zu Stande gekommen und müssten deshalb als null und nichtig angesehen werden.

Die Staatsanwaltschaft bezeichnete Salah dagegen als Lügner und kündigte die Einvernahme von Mitgliedern der israelischen Sicherheitskräfte an. Diese könnten bezeugen, dass Salah während seiner Gefangenschaft in den neunziger Jahren niemals gefoltert worden sei, sondern freiwillig gestanden habe, Verbrechen im Namen der Hamas begangen zu haben.

Vorwurf der Verschwörung

Salah war 2004 nach seiner Rückkehr in die USA unter dem Vorwurf der Verschwörung zur Unterstützung der Hamas mit Millionen Dollar und Material festgenommen worden. Sein Prozess soll im Oktober beginnen. Die US-Regierung stuft die Hamas, die bei den palästinensischen Parlamentswahlen Ende Jänner die absolute Mehrheit erhielt, als terroristische Organisation ein.

Offiziere fürchten Kriegsverbrecherprozess

In Israel sind führende israelische Offiziere verärgert über ein aus Angst vor einem Kriegsverbrecherprozess verhängtes Reiseverbot nach Großbritannien. Eine Entscheidung der israelischen Militärjustiz, dem Brigadegeneral Aviv Kochavi die Teilnahme an einem britischen Ausbildungsgang zu untersagen, habe die Armeeführung schockiert, berichtete die israelische Tageszeitung "Haaretz". Israel zeigt sich beunruhigt, dass Offiziere und Ex-Offiziere Gefahr laufen, in Staaten mit strengen Kriegsverbrechergesetzen wie Großbritannien, Belgien, Spanien und Deutschland inhaftiert zu werden. (APA/dpa)

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