Zuständigkeitsstreit um blauen Franken

13. Juli 2006, 17:19
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Bei der touristischen Infrastruktur hört sich der Spaß an grenzüberschreitender Kooperation offenbar auf. Eine geplante "Weinerlebniswelt" im Mittelburgenland wird im nahen Sopron eifrig diskutiert

Sopron, Ödenburg - Scharfe Worte sind das Handwerkszeug der Journalisten. Scharfe Reaktionen darauf das tägliche Brot. Und so hat Csaba Gugó das wohl auch gesehen, als er unlängst in seiner Zeitung Kisalföld ("Kleine Tiefebene") darüber berichtete, dass im mittelburgenländischen Neckenmarkt/Sopronnyék eine "Weinerlebniswelt" namens "Aquavinum" geplant sei.

",Weinkrieg' unter der Oberfläche", titelte er, denn die Burgenländer hätten es verabsäumt, die Soproner Nachbarn von dem Plan zu informieren, wozu sie zwar, räumte Gugó ein, nicht verpflichtet seien, "aber aufgrund der so oft betonten regionalen Zusammenarbeit wäre es eine schöne Geste gewesen".

Mittelburgenland - das "Blaufränkischland"

Natürlich sei das Mittelburgenland das "Blaufränkischland", Sopron aber fraglos die "Hauptstadt des Blaufränkischen". Und die - so schrieb Gugó es ein paar Tage darauf beruhigend in die vom "Weinkrieg" offenbar etwas überraschte Öffentlichkeit - könne von der Neckenmarkter "Weinerlebniswelt" auch profitieren. Dort solle nämlich die 2000-jährige Geschichte des blauen Franken präsentiert werden, und da könne man die Hauptstadt wohl schwer umgehen. "Wenn doch, wäre es sehr traurig."

Sopron - "Hauptstadt des Blaufränkischen"

Der scheele Blick ins Ziel-1-Land hat nicht nur önologische Gründe. Mit dem Auslaufen der höchsten Förderstufe verschärft sich der selbst auferlegte Druck aufs Burgenland, den infrastrukturellen Vorsprung auf die Nachbarregion wenigstens zu halten. Beinahe ängstlich blicken vor allem die touristischen Planer nach Ungarn. Vor Kurzem haben die Bohrungen für die ins Auge gefasste "Seewinkeltherme" begonnen - aber wenige Kilometer weiter südlich will man beim Esterházy-Schloss in Fertöd auch eine neue Therme bauen.

Dort will man auch die Haydn-Pflege ausweiten, das Burgenland dagegen beginnt mit einer Intensivierung der Liszt-Pflege. In Raiding/Doborján, dem Geburtsort des deutschsprachigen und sein Lebtag lang bekennenden Ungarn Franz Liszt, ist vergangene Woche die Gleichenfeier für die neue Konzerthalle feierlich begangen worden. Im wenige Kilometer weit entfernten Sopron empfindet man das als Konkurrenz zum eigenen Liszt-Kulturzentrum.

Länderkampf

"Man sollte doch", meint Csaba Gugó, "gerade in diesen Angelegenheiten mehr kooperieren, es würden beide Seiten davon profitieren." Stattdessen gebe es einen "Wettkampf zwischen den zwei Ländern", in den das Burgenland mit einem erheblichen historischen Vorsprung gegangen sei. Jetzt hat dieser Wettkampf eben auch den autochtonen Rotwein erreicht, auf den die Soproner nicht minder stolz sind als die Deutschkreutzer, Neckenmarkter und Horitschoner, die ihre Ziel-1-Förderperioden schon hinter sich haben. Weshalb die Soproner, die sie noch vor sich haben, zielgenau nach drüber schauen. "Wir können vom Burgenland viel lernen", sagt da etwa Tibor Molnár, der Präsident des Soproner Winzerverbandes: "Mit Investorengeldern und EU-Förderungen hat man das rückständigste Bundesland Österreichs in einigen Jahren in eine prosperierende Region verwandelt."

Dass man vom Burgenland diesbezüglich lernen könne, glaubt Csaba Gugó auch. Er meint halt nur, dass das gemeinsam leichter gehen würde als gegeneinander. (DER STANDARD, Printausgabe vom 4./5.3.2006)

Von
Wolfgang Weisgram
  • Artikelbild
    foto: cremer
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