Blair: "Habe vor Irak-Einmarsch gebetet"

13. März 2006, 11:49
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Premier: Urteil über Krieg wird von Gott gefällt - Kritiker sehen "Rechtfertigung für eine verfehlte Strategie"

London - Der britische Premierminister Tony Blair hat sich bei der Entscheidung für eine Beteiligung am Irak-Krieg auf Gott berufen. Wegen der Frage, ob britische Truppen 2003 in den Irak geschickt werden, habe er gebetet, sagte der Labour-Politiker am Samstag im Fernsehsender ITV1. Das Urteil, ob die Entscheidung richtig oder falsch gewesen sei, werde letztlich auch von Gott gefällt. Der Bezug auf eine höhere religiöse Instanz wurde von Gegnern des britischen Militäreinsatzes kritisiert.

Gewissen

Blair sagte, er habe damals mit seinem Gewissen gerungen. Die einzige Art und Weise, mit einer solchen Entscheidung umzugehen, sei jedoch, sich auf sein Gewissen zu verlassen. "Am Ende wird es ein Urteil darüber geben. Und ich denke, wenn man an solche Dinge glaubt, wird man sich darüber klar, dass es von anderen Leuten gefällt wird." Auf die Nachfrage, was er damit meine, antwortete der als sehr gläubig geltende Premierminister: "Wenn man an Gott glaubt, dann wird es auch von Gott gefällt."

Gegner des Einsatzes warfen Blair vor, Gott nachträglich als "Rechtfertigung für eine verfehlte Strategie" zu benutzen. Die große Mehrheit der Briten lehnt den Einsatz im Irak, bei dem bereits mehr als 100 britische Soldaten getötet wurden, inzwischen strikt ab. Auch Blair selbst hat in den Umfragen massiv an Zustimmung verloren. In dem Interview spielte der Premierminister selbst auf diese Tatsache an. Als es um das Jahr 1997 ging, in dem Labour an die Macht kam, sagte er: "Damals haben mich die Leute gemocht." (APA/dpa)

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    Tony Blair posiert mit britischen Soldaten in Basra

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