Da Pontes Aufbruch in die Neue Welt

12. März 2006, 19:56
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Nach dem Mozarthaus gestaltet Werner Hanak eine Ausstellung über den Librettisten

Wien - Eines Tages im josephinischen Wien trafen der Librettist Lorenzo da Ponte und der Komponist Antonio Salieri auf ihren gemeinsamen Bekannten Giacomo Casanova. Sie dürften sich blendend unterhalten haben, und es kann gut sein, dass Mozart, der damals im Trattnerhof wohnte, sie auf dem Graben sah und sich ärgerte, dass da Ponte nicht an dem versprochenen Libretto arbeitete. "Zufällig haben wir ein Bild vom Graben aus genau jener Zeit, 1784, gefunden", sagt Werner Hanak. "Mit seiner Hilfe lässt sich eine Geschichte entwickeln, und es wird möglich, sich das zeitgenössische Leben vorzustellen."

Ausstellung

Hanak bereitet gemeinsam mit Reinhard Eisendle und Herbert Lachmayer die Ausstellung "Lorenzo da Ponte. Aufbruch in die Neue Welt", vor, die im Jüdischen Museum Wien am 22. März eröffnet wird. Sie ist dem abenteuerliche Leben des im provinziellen Ceneda (heute Vittorio Veneto) geborenen und 89-jährig in New York gestorbenen Italieners gewidmet. Sie stellt eine weitere Annäherung an das Thema über die Orte des Geschehens dar.

Schon im Fall Mozarthaus in der Domgasse (das vor kurzem neu zugänglich gemacht wurde) hat Hanak sozusagen mit Hilfe der Stadt inszeniert. Selber aus Salzburg zugereist, wollte er ursprünglich Mozarts Wohnungssuche und seine 14 Adressen als Prozessionstheater präsentieren. Daraus wurde zwar nichts, aber immerhin lenkt die Ausstellung die Aufmerksamkeit auf Referenzpunkte im urbanen Geflecht. Man müsse sich vorstellen, sagt der Kurator, dass Wien damals 200.000 Einwohner hatte, dass 4000 Kutschen unterwegs waren und Verkehrsstau und Lärm die frühe Metropole charakterisierten.

Dramatischer Mittelteil

Darum wählte das Team mit dem Architekten Christian Prasser für die da-Ponte-Schau einen dramatischen Mittelteil: Der große, Wien gewidmete Raum besteht aus einem riesigen und sehr genauen Stadtplan als Fußboden und Mauer: eine Hilfe, um näher zu kommen und in einen Dialog mit den Objekten zu treten. Es folgen Triest und London, weitere Stationen auf da Pontes Lebensweg, und schließlich New York, wo der Rundgang - als Rückblick - begonnen hat. "Das Drama spielt sich zwischen den Besuchern und den Dingen ab", erklärt Hanak seinen Bühnen-Zugang zum Ausstellungsmachen, "und die Stadt ist sozusagen das Netz im Hintergrund."

Die Stadt ist auch eine Summe ihrer Botschaften. Und so, wie man in ihr flaniert und zum Window-Shopping unterwegs ist, so ähnlich geht es beim Besuch eines Museums zu. "Ausstellungen wollen eine Geschichte erzählen, und die Geschäfte wollen etwas verkaufen. Die Frage ist, wer hat vom wem gelernt. Es war sicher beidseitig." (Michael Freund, DER STANDARD Printausgabe, 04./05.03.2006)

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    foto: standard/heribert corn
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