Wolferl im Heißluftballon?

20. März 2006, 14:05
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Ihre Fragen zu W.A.M. - Kurt Palm antwortet

Konstanze Huber fragt:
In einem Interview in der Zeit- schrift "Wienerin" haben Sie behauptet, Mozart wäre mit einem Heißluftballon geflogen. Stimmt das?



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In dem von Ihnen erwähnten Beitrag in der Wienerin wurde ich leider falsch zitiert. Ich habe damals darauf hin- gewiesen, dass Mozart großes Interesse an der Ballonfahrt hatte und dass er im Frühjahr und Sommer 1791 die Aufstiegsversuche des Ballonschaustellers Jean-Pierre Blanchard im Wiener Prater genau verfolgte. Der Franzose Blanchard zählte seit den Anfängen der bemannten Ballonfahrt 1783 zu deren Pionieren und überquerte zum Beispiel 1785 als erster Mensch in einem Ballon den Ärmelkanal. Blanchard stieg auch in Deutschland zum ersten bemannten Ballonflug auf und nutzte das europaweit ausgebrochene Ballonfieber, um gegen Eintrittsgeld seine Künste zu zeigen. Auf seiner Tournee machte er auch in Wien Station und bereitete sich am 6. Juli 1791 im Prater zum dritten Male mit seiner Montgolfiere auf seinen Aufstieg vor. Mozart hatte bereits die beiden gescheiterten Versuche Blanchards Anfang März und Ende Mai mitverfolgt, denn einmal schreibt er an seine Frau nach Baden, dass wieder einmal "eine Menge Leute gefoppt worden sind".

Beim Aufstiegsversuch Blanchards am 6. Juli konnte Mozart nicht dabei sein. An seine Frau schrieb er: "eben izt wird Blanchard entweder Steigen - oder die Wiener zum 3:t male fopen!" Mozart kam das Ballonspektakel am 6. Juli ungelegen, da er an diesem Tag ein Geschäft mit Odilo Goldhahn abschließen wollte, dieser aber lieber "zum Ballon" ging. Im Brief an seine Frau heißt es: "vieleicht kömmt er wenn der Spass vorbey ist - ich warte bis 2 uhr - dann werfe ich ein bischen Essen hinein - und suche ihn aller Orten auf. - das ist ein nicht gar angenehmes leben."

Mozart spielte hier auf seine prekäre finanzielle Lage an. Bei seinem dritten Versuch am 6. Juli 1791 hatte Blanchard schließlich Erfolg und landete mit seinem Ballon in Großenzersdorf bei Wien. Aus einem am nächsten Tag an Constanze abgeschickten Brief geht hervor, dass es Mozart Leid tat, das Spektakel im Prater versäumt zu haben. Er schreibt: "ich war nicht beym Ballon, denn ich kann mir es so einbilden, und glaubte auch, es wird diesmal auch nichts draus werden - aber nun ist Jubel unter den Wienern! - so sehr sie bisher geschimpft haben, so loben sie nun." (ALBUM/DER STANDARD, Printausgabe, , 04./05.03.2006)

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