Vogelgrippe erstmals in deutscher Großstadt

5. März 2006, 17:18
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Wildente in Mannheim mit H5N1-Virus infiziert - Auch 20 Kilometer außerhalb Berlins Erreger entdeckt

Die Vogelgrippe ist erstmals in einer deutschen Großstadt nachgewiesen worden. Das Friedrich-Loeffler-Institut habe das H5N1-Virus bei einer Wildente in Mannheim bestätigt, teilte das baden-württembergische Agrarministerium am Freitag in Stuttgart mit.

Auch von den Toren der Millionenmetropole Berlins wurde der Erreger bei einem Bläßhuhn im nur 20 Kilometer entfernten Wandlitz sowie bei zwei weiteren Wildvögeln in Brandenburg nachgewiesen. Neue Fälle wurden auch aus Mecklenburg-Vorpommern und vom Bodensee gemeldet. Auf der Insel Rügen entspannte sich die Lage. Die Fähre zur Halbinsel Wittow nahm den Betrieb wieder auf. In der Nähe waren vor fast drei Wochen die ersten mit H5N1-infizierten Schwäne gefunden worden. Die Bundeswehr begann damit, ihre Soldaten von der Ferieninsel abzuziehen. Sperrbezirk eingerichtet

Um den Fundort der toten Wildente in Mannheim wurde im Radius von drei Kilometern ein Sperrbezirk eingerichtet. Der Umkreis von zehn Kilometern gilt als Beobachtungsgebiet. Im Sperrbezirk befinden sich Teile des Stadtkreises von Mannheim und von Ludwigshafen. Der Beobachtungsraum erstreckt sich damit bis hinein nach Rheinland-Pfalz und Hessen.

Gemäß einer Eilverordnung des Bundeslandwirtschaftsministeriums müssen in beiden Zonen Hunde angeleint werden, Katzen dürfen nicht mehr ins Freie gelassen werden. In der engeren Sperrzone darf zudem kein Unbefugter mehr einen Geflügelbetrieb betreten. Die Verordnung gilt ab Samstag bundesweit für alle Sperr- und Überwachungszonen. ´Noch keine Überwachungszonen in Berlin

In unmittelbarer Nachbarschaft Berlins wurde bei einem in Wandlitz gefundenen Bläßhuhn der gefährliche Erreger nachgewiesen, im Kreis Märkisch-Oderland bei einem Schwan und im Landkreis Potsdam-Mittelmark bei einem Turmfalken. Es werde im Friedrich-Loeffler-Institut noch geprüft, ob es sich um die hochansteckende asiatische Variante der Krankheit handele, teilte die brandenburgische Regierung mit. Brandenburg hatte bereits in den vergangenen Tagen erste Fälle von Vogelgrippe gemeldet. Die Überwachungszonen reichen in allen Fällen noch nicht bis in die Bundeshauptstadt. In Mecklenburg-Vorpommern gab es positive Befunde bei drei Wildvögeln von der Insel Rügen und zwei Wildvögeln aus dem Landkreis Nordvorpommern. Am Bodensee wurde bei einer verendeten Tafelente in Allensbach im Landkreis Konstanz die Seuche festgestellt. Die Zahl der mit dem H5N1-Erreger infizierten Wildtiere stieg damit in Deutschland auf rund 150. Geflügelwirtschaft beklagt Verluste

Die Geflügelwirtschaft beklagte schwere Einbußen infolge der Vogelgrippe. Der Sprecher des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft, Thomas Janning, sagte im ZDF, seit Herbst vergangenen Jahres sei die Nachfrage nach Geflügel um 15 bis 20 Prozent zurückgegangen. "Nach ersten Berechnungen ist das ein Verlust von 143 Millionen Euro."

Die Länder lehnten derweil die von Bundesagrarminister Horst Seehofer angeregte erneute Sondersitzung ihrer Gesundheitsminister ab, da sich die Gefahr einer Pandemie nach der bei einer Katze nachgewiesenen Infektion nicht verändert habe. Dies teilte das Ministerium in Sachsen-Anhalt mit, das den Vorsitz in der Gesundheitsministerkonferenz hat. Am Donnerstag soll in Berlin aber die Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft zur Pandemievorsorge zusammenkommen. (Reuters)

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