Neue Bühnen-Saison

9. März 2006, 13:17
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donaufestival, Tiroler Landestheater und klagenfurter ensemble stellen Pläne für die Zukunft vor

Wien/Innsbruck/Klagenfurt - Es sei gelungen, das donaufestival mit der "Ausweitung der Kampfzonen" im vergangenen Jahr neu zu positionieren. "Diesen Weg gehen wir weiter", kündigte die Niederösterreichs Kulturlandesrätin Petra Bohuslav am Freitag an. Die Veranstaltung 2006 findet vom 20. April bis 6. Mai statt, konkret an drei Wochenenden (20. bis 22. und 27. bis 30. April in Krems sowie 4. bis 6. Mai in Korneuburg).

"Was wir begonnen haben, wollen wir inhaltlich vertiefen und weiterführen", sagte Tomas Zierhofer-Kin, der zum zweiten Mal als künstlerische Leiter fungiert. Er könne "ganz unbeirrt arbeiten", was ihn "sehr freut". Das Gesamtbudget des donaufestivals 06 beträgt 1,970.000 Euro, das Land steuert laut Bohuslav 1,518.000 Euro bei. "Wir wollen Spuren legen in der Kulturlandschaft, und das alles auf solider finanzieller Basis."

Neues

Die Landesrätin wusste auch von "zwei Neuigkeiten" in diesem Jahr zu berichten. So beteilige sich das donaufestival an der Aktion "Hunger auf Kunst&Kultur", weil deren Genuss "nicht vom sozialen Status abhängen" dürfe. Und ein Mal mehr sollen "Brücken zur regionalen Kulturarbeit" geschlagen werden. Unter dem Motto "Krems schläft nicht" werde es daher in der Nacht auf 1. Mai "rund gehen". Nicht nur an den Spielstätten, sondern auch in Clubs der Stadt werde es ein "Feuerwerk an Veranstaltungen" geben.

"Wir sind stolz auf Tradition und offen für Neues", betonte die Landesrätin. Das donaufestival habe die "Position des Experimentiellen".

---> Tiroler Landestheater Tiroler Landestheater

Das Tiroler Landestheater offeriert im März sieben neue Produktionen. Der Bogen spannt sich von Verdi über Mozart, Hauptmann, Büchner bis zu Heine.

Den Anfang macht am Sonntag die Premiere von Giuseppe Verdis früher Erfolgsoper "Nabucco", die in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln in konzertanter Version herauskommt. Das Werk, dessen biblisches Libretto zur Zeit Nebukadnezars II. spielt und die Befreiung der Hebräer aus babylonischer Unterdrückung zum Inhalt hat, ist vor allem durch seinen berühmten Chor "Va, pensiero" zum politischen Symbol auch der italienischen Freiheitsbestrebungen im 19. Jahrhundert geworden. Chor und Extrachor des Landestheaters haben daher in dieser Produktion besondere Bedeutung. Die anspruchsvollen Solopartien sind mit ersten Kräften des Opernensembles besetzt, in der Titelrolle hört man Dimitri Tiliakos, die musikalische Leitung hat Aleksandar Markovic.

Hauptmann und mehr Musik

Intendantin Brigitte Fassbaender inszeniert Gerhart Hauptmanns Schauspiel "Vor Sonnenuntergang", das am 10. März in den Kammerspielen Premiere hat; Julia Burde entwarf Bühne und Kostüme. Das 1932 in Berlin von Max Reinhardt erstmals inszenierte Familiendrama im Spannungsfeld einer ungewöhnlichen Liebe und dem entfesselten Egoismus einer Erbengemeinschaft zeigt Günter Gräfenberg in der Hauptrolle. Die vierte Vorstellung am 23.März ist mit einer Einführung durch die Dramaturgin Doris Happl und einem anschließenden Gespräch mit den Künstlern in der Theaterkantine verbunden.

Am 11. März ist wieder Musik angesagt: Eine "Gala für Mozart" bringt im Großen Haus anlässlich des Mozartjahres Ausschnitte aus beliebten Opernproduktionen des Hauses - als Rückblick wie als Vorgeschmack auf Kommendes. Die Ensemblemitglieder werden vom Tiroler Symphonieorchester Innsbruck unter der Leitung von Leif Klinkhardt begleitet, Intendantin Fassbaender führt als Moderatorin durch den Abend, der bis Anfang Juli weitere neun Mal angeboten wird.

Zweimal Büchner

Der Dichter und Dramatiker Georg Büchner wird diesen Monat in Innsbruck gleich zwei Mal präsent sein. Am 15. März widmet Schauspieldirektor Klaus Rohrmoser seiner Erzählung "Lenz" einen Abend, an dem er selbst aus dem Psychogramm des Sturm-und-Drang-Dichters liest. Damit weist er schon auf Büchners politisch-ironisches Lustspiel "Leonce und Lena" hin, das am 25. März in der Regie von Frank Asmus im Großen Haus Premiere haben wird. Valerie von Stillfried sorgt für die Ausstattung.

Anlässlich seines 150. Todestages findet auch der Dichter Heinrich Heine seinen Platz im Märzprogramm: Unter dem Titel "Dichterliebe" vertonte Robert Schumann 16 Heine-Gedichte; diesen Zyklus sowie Heine-Lieder aus Schuberts "Schwanengesang" singt am 17. März der Tenor Christian Zenker in den Kammerspielen; am Klavier begleitet Rudi Spring. Ein von den Gast-Choreographen Michel d'Auzon und Felix Duméril gestalteter Tanzabend beschließt am 26. März den Innsbrucker Premierenreigen mit einer Uraufführung, über die noch zu berichten sein wird.

---> klagenfurter ensemble "klagenfurter ensemble"

Das "klagenfurter ensemble" meldet sich nach mehrjähriger Herbergssuche mit einem neuen Programm an einer neuen Spielstätte zurück. Der Spielplan umfasst drei Uraufführungen. Gerhard Lehner, künstlerischer Leiter des k.e., begründete die geringe Zahl der Produktionen mit stark reduzierter finanzieller Unterstützung seitens der öffentlichen Hand.

Beginn mit Winkler

"Wir haben den Subventionsmordversuch vor eineinhalb Jahren überstanden", sagte Lehner bei der Vorstellung des Jahresprogramms am Freitag in Klagenfurt. Es sei eine sehr schwierige Zeit gewesen, umso glücklicher sei man nun, wieder in der Lage zu sein zu spielen. Von der Stadt Klagenfurt habe man 80.000 Euro an Subvention bekommen, "das ist die Hälfte von dem, was früher da war". Daher gebe es auch nur ein abgespecktes Programm, sowohl das Sommer- als auch das Jugendfestival habe man streichen müssen.

"Dafür stehen drei sehr interessante Uraufführungen auf dem Programm", meinte Lehner. Den Auftakt macht ein Stück von Josef Winkler "benedikt 16. du sollst den herrgott nicht bei den füßen herabziehen oder - wer das brot untereinander schneidet, der schneidet dem herrgott die fersen ab oder - ein stück von josef winkler". Uraufführung ist am 30. März an der neuen Spielstätte im Artecielo. Lehner bezeichnete das Stück als "sehr experimentelle Arbeit", zusammengestellt auf der Basis von Prosaminiaturen aus dem Buch "leichnam, seine familie belauernd". Inszeniert wird die Uraufführung von Gerhard Fresacher.

Weiters auf dem Programm

Nach Winkler gibt es "Wanderer Socke" von Bernd Liepold-Mosser, ein "Roadmovie auf dem Theater". Der Autor führt bei dem Stationentheater selbst Regie. "Wir wollten unbedingt einmal etwas Lustiges machen", begründete Lehner die Wahl des Stückes, das eine "sehr witzige, schräge Farce" sei. An Figuren treten unter anderem Herbert Prohaska auf, aber auch Peter Handke. Die Premiere ist für 17. Mai angesetzt, die Schauspieler sind im Wesentlichen die gleichen wie

Die dritte Produktion ist "Wozzek oder das Leben liebt die Klinge" von Alexander Widner. Geschrieben vor einigen Jahren, kommt es nun erstmals auf die Bühne. Lehner: "Ich kann mir das nur so erklären, dass auf Grund des Titels jeder gleich an Büchner denkt." Widner sei ein stark unterschätzter Autor, der in Kärnten eigentlich nur vom "klagenfurter ensemble" gespielt werde. Außerhalb Kärntens genieße er aber einen hervorragenden Ruf. Regie führt Alexander Mitterer, die Uraufführung ist für den 8. November geplant. (APA)

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