Eine lange und turbulente Geschichte

17. Oktober 2006, 12:22
posten

Vom ehemals verstaatlichten Betrieb über einen Sanierungsfall zum florierenden Konzern

Linz - Die Geschichte der Austria Metall AG (AMAG) mit Sitz in Braunau in Oberösterreich - über den Verkauf der Belegschaftsanteile am Unternehmen wird seit Wochen heftig diskutiert - ist eine lange und turbulente:

1936: In den damaligen Mattigwerken wird mit dem Bau für Elektrolyse zur Aluminium-Produktion begonnen.

1938: Die Aluminium-Werke Ranshofen werden gegründet.

1945: US-Truppen besetzen die oberösterreichischen Werke.

1946: Das Werk wird an die Republik Österreich übergeben.

1948: Der Betrieb wird unter dem Namen Österreichische Metallwerke AG (ÖMAG) bzw. später dann Vereinigte Aluminiumwerke AG (VAW) verstaatlicht.

1957: Das Unternehmen wird mit Berndorf verschmolzen und in Vereinigte Metallwerke Ranshofen-Berndorf AG (VMW) umbenannt.

1974: Der spätere Verkehrsminister und SPÖ-Kandidat für die Bundespräsidentenwahl, Rudolf Streicher, wird Vorstandsmitglied. 1981 übernimmt Streicher den Chefsessel, bis er 1986 als Generaldirektor zu Steyr-Daimler-Puch wechselt.

1984: Die Firma wird nach der Ausgliederung des Werks Berndorf in Austria Metall AG (AMAG) umbenannt.

1985: Die Felgenwerke Alu-Guß GmbH, die heutige Austria Aluguss GmbH, nimmt als 100-Prozent-Tochter der AMAG den Betrieb auf.

1987: Die AMAG schreibt durch die hohen Weltmarktpreise als einziger Staatsbetrieb Gewinne. Bald kommt es aber zu Verlusten, die von der Verstaatlichtenholding ÖIAG wieder ausgeglichen werden. Die Pläne, in Ranshofen eine neue Elektrolyse zu bauen, scheitern nicht zuletzt aus Umweltgründen. Das Unternehmen beteiligt sich in der Folge an einer Elektrolyse in Kanada.

1988: Berndorf wird im Zuge eines Management-Buy-Outs (MBO) verkauft.

1996: Die schwer defizitäre AMAG wird um einen symbolischen Schilling durch ein MBO von Klaus Hammerer (40 Prozent) mit Beteiligung von Constantia (40 Prozent) privatisiert. Die Mitarbeiter werden in Form einer Stiftung mit den restlichen 20 Prozent am Unternehmen beteiligt. Laut Rechnungshof-Bericht ist insgesamt ein Verlust von 14 Milliarden Schilling, umgerechnet 1,017 Mrd. Euro, zu verbuchen.

1998: Die AMAG kann erstmals seit der Neustrukturierung für das Geschäftsjahr 1997/98 einen Gewinn von 306 Millionen Schilling verbuchen. Für die Mitarbeiter gibt es eine Dividende.

2000: Das Unternehmen ist gegenüber der ÖIAG schuldenfrei.

2005: Gerüchte um einen AMAG-Verkauf machen die Runde.

2006: Der Großteil der Mitarbeiter will über die Veräußerung des 20-Prozent-Anteils am Unternehmen verhandeln, SPÖ Oberösterreich, Arbeiterkammer (AK) und Gewerkschaft legen sich quer. (APA)

Share if you care.