Russischer Urlauberboom in Österreich

27. März 2006, 15:34
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Verdreifachtes Gästeaufkommen zwischen 1995 und 2005 - Russische Urlauber verteilen sich auf 10 österreichische Orte - Visapolitik bremst Gästewachstum

Wien - Russland stellte im Vorjahr 11,4 Prozent der insgesamt 4,64 Mio. Nächtigungen von Gästen aus Zentral- und Osteuropa. Wobei sich drei Viertel der Übernachtungen auf nur zehn österreichische Gemeinden in Tirol und Salzburg konzentrierten. In punkto Geld ausgeben sind Urlauber aus der Russischen Föderation an der Spitze. Heimische Touristiker fürchten nun um Einbußen am GUS-Hoffnungsmarkt, da die Visakapazität von 90.000 ausgestellten Touristenvisa pro Jahr spätestens 2007 ausgeschöpft sein wird.

Tourismus-Manager der Österreich Werbung (ÖW), der Salzburg Tourismus GmbH sowie der Incoming-Agentur Vorderegger Reisen betonten heute, Freitag, in einem Round Table, gemeinsam mit der Statistik Austria die wachsende Bedeutung des russischen Marktes für den heimischen Tourismus. So hat sich das russische Gäste-Aufkommen im Zeitraum von 1995 bis 2005 verdreifacht.

Konsumfreudige Gäste

Die bevorzugten Hotelkategorien der ausgabefreudigen neuen Klientel des österreichischen Wintertourismus bewegen sich im 4- und 5-Sterne-Bereich. Im Vorjahr nächtigten knapp 75 Prozent in der Hochpreishotellerie. Skifahren ist nur ein Aspekt neben Shopping und Nachtleben, was sich in den Tagesausgaben der Gäste zu Buche schlägt. So gibt jeder russische Tourist während seines Aufenthaltes (5,9 Tage im Schnitt) im Winter mehr als 250 Euro täglich aus. Weit abgeschlagen an zweiter Stelle folgen mit 162 Euro pro Tag Ausgabenschnitt französische Winterurlauber vor den Schweizern mit 152 Euro pro Tag, so die aktuellen Daten der Statistik Austria.

Im Wintertourismus sei man zwar die Nr. 1, sagte ÖW-Regionalmanager Emanuel Lehner, zuständig für Russland, Ukraine und die restlichen GUS-Staaten. Der heimische Marktanteil im Ranking der beliebtesten Destinationen der Russen lag 2004 jedoch bei nur einem Prozent, während die Türkei mit 22 Prozent die absolut führende Zieldestination für russische Urlauber stellte, vor China mit 14 Prozent und Ägypten mit 8,9 Prozent. Der ÖW-Manager sieht hier noch ein enormes Potenzial, das es zu nutzen gelte. Vor allem der Sommertourismus müsse über Kombi-Packages forciert werden. Vorstellbar wäre dies in Form von Kultur-, und Einkaufstourismus, kombiniert mit Wellness-Aufenthalten in Thermen- oder Seenregionen.

Am liebsten im Jänner

Derzeit konzentriert sich der Aufenthalt der Russlandgäste auf den Monat Jänner. Die Wintersportgemeinde Zell am See verzeichne durchschnittlich 3 Prozent russischer Gäste, allein im Jänner würde dies auf 12 Prozent ansteigen, sagte die Geschäftsführerin der Incoming Agentur Vorderegger, Andrea Stifter. Eine zeitliche Konzentration, die es zu entzerren gelte, betonte Leo Baumberger, Geschäftsführer der Salzburger Tourismus GmbH. Generell wolle man den Anteil der Gäste aus den GUS-Staaten von bisher 140.000 Nächtigungen im Jahr 2005 in den nächsten zwei bis drei Jahren auf 250.000 verdoppeln, sagte er. Auch ÖW-Regionalmanager Lehner hält eine Zahl von einer Mio. Nächtigungen bis 2010 für realistisch.

Visapolitik als Wermutstropfen

Wermutstropfen der Touristiker bleibt die Visapolitik, denn der russische Markt ist ein klassischer Veranstaltermarkt. An die 95 Prozent der Reisenden buchen über Reiseveranstalter. Derzeit liegt das maximale Ausstellungskontingent von Touristen-Visa bei zirka 90.000 im Jahr. Bereits 2005 wurden 77.000 Touristen-Visa ausgefertigt. Wenn die Zuwächse aus Russland in dem Tempo anhalten, werde man 2007 am Plafond sein, sagte Lehner. Der Salzburger Tourismus-Manager Baumberger rechnet mit früher, da über Wirtschaftskooperationen und verstärkte Werbetätigkeiten des Landes Salzburg gemeinsam mit Incoming-Agenturen in der Russischen Föderation mehr Urlauber erwartet würden. Etwaiges Outsourcing der Abwicklung von Touristen-Visa seien im Gespräch, konkret werde im Moment die Moskauer Botschaft - die einzige autorisierte Stelle für Visa-Vergaben in Russland - auf Raumsuche, was mit einem Aufstocken von Personal mit einhergehe, so Lehner.

Russisch-sprachige Mitarbeiter fehlen

Eine weiteres Problem lieg darin, qualifizierte russisch-sprechende Mitarbeiter für Reisebüros, Hotellerie und Gastronomie zu finden, sagte Stifter. Auch hier würde das Saisonnier-Kontingent etwaigen Plänen entgegenwirken. Es mangele an "Native Speakers", da Aufenthaltsgenehmigungen in zu geringem Maß vergeben würden. Dies seien Hemmnisse für die Zukunft des österreichischen Tourismus auf dem Weg zur notwendigen Internationalisierung, betonte auch der Salzburger Touristiker. (APA)

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    Österreich verzeichnete bei russischen Gästen im Zeitraum von 2000 bis 2005 einen Nächtigungszuwachs von über 60 Prozent.

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