Morbus Crohn könnte durch zu schwache Immunreaktion entstehen

6. März 2006, 11:00
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Potenzmittel Viagra könnte Blutfluss möglicherweise verbessern

London - Bisher galt die Darmerkrankung Morbus Crohn als Autoimmunkrankheit, bei der das Abwehrsystem eigenes Körpergewebe angreift und eine chronische Entzündung verursacht. Britische Mediziner haben nun jedoch Hinweise darauf entdeckt, dass das Leiden nicht durch eine übersteigerte, sondern durch eine zu schwache Immunreaktion entsteht.

Die Mediziner des Londoner University College untersuchten die so genannten neutrophilen Granulozyten, eine Art weißer Blutkörperchen, die nach Verletzungen verstärkt gebildet werden. Dabei fanden sie heraus, dass Morbus-Crohn-Patienten nach Verletzungen des Darms oder der Haut deutlich geringere Mengen dieser Neutrophilen produzieren als gesunde Menschen.

Test

Um die Entzündungsreaktion zu messen, injizierten die Forscher zudem Crohn-Patienten und gesunden Menschen harmlose Kolibakterien unter die Haut. Während sich der Blutfluss an der entzündeten Stelle bei gesunden Menschen binnen 24 Stunden annähernd verzehnfachte, nahm die Durchblutung bei Crohn-Patienten in deutlich geringerem Maße zu, wie die Zeitschrift "The Lancet" berichtet.

Die Forscher vermuten, dass bei Morbus-Crohn-Patienten nach Entzündungen der Darmwand die neutrophilen Granulozyten in geringerer Menge gebildet werden, wodurch die Bakterien das Gewebe weiter schädigen können. Darauf reagiere der Körper dann - so die Vermutung - mit der Bildung von Entzündungsmolekülen, die zu der für die Krankheit typischen chronischen Entzündung führen. Die Wissenschafter halten es für möglich, dass eine Behandlung mit dem Potenzmittel Viagra dazu beitragen kann, den ungewöhnlichen geringen Blutfluss der Crohn-Patienten an entzündeten Stellen zu verbessern. (APA/AP)

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