Wirkung von Gold- und Platinmitteln auf Immunsystem entschlüsselt

6. März 2006, 10:00
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Fremde Moleküle werden von der Oberfläche bestimmter Proteine entfernt

Boston - Seit Jahrzehnten werden goldhaltige Substanzen gegen Autoimmun-Erkrankungen wie etwa rheumatoide Arthritis verwendet. Biologen der Universität Harvard haben nun entschlüsselt, wie bestimmte Formen von Gold, Platin und anderen Metallen Einfluss auf das Immunsystem nehmen.

Demnach wirken die Substanzen auf bestimmte Proteine, die für die Körperabwehr eine entscheidende Rolle spielen. Die so genannten MHC-Proteine der Klasse 2 tragen Teile von Krankheitserregern auf ihrer Oberfläche und ermöglichen den Lymphozyten des Immunsystems damit, diese Keime zu erkennen und anzugreifen. Bei Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis richtet sich die Körperabwehr allerdings gegen körpereigene Stoffe.

Die Harvard-Forscher entdeckten nun in Laborversuchen, dass das Platin-haltige Krebsmittel Cisplatin fremde Moleküle von der Oberfläche der MHC-2-Proteine entfernt und die Eiweißstoffe damit deaktiviert. Eine Form von Gold hatte eine ähnliche Wirkung, wie die Forscher in der Zeitschrift "Nature Chemical Biology" berichten. Goldhaltige Mittel werden seit Jahrzehnten gegen Autoimmunerkrankungen verwendet, ihre Anwendung geht jedoch häufig mit schweren Nebenwirkungen einher. Die Entdeckung könnte dazu führen, maßgeschneiderte Mittel mit geringeren Nebenwirkungen zu entwickeln. (APA/AP)

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