"Grbavica" nicht in ganz Bosnien zu sehen

9. März 2006, 20:46
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Berlinale-Sieger soll in der Republika Srpska vorerst nicht in die Kinos kommen

Belgrad/Banja Luka - Der heurige Siegerfilm beim Berliner Filmfestival, die majoritär österreichische Koproduktion "Grbavica" der jungen bosnischen Regisseurin Jasmila Zbanic, soll im kleineren bosnischen Landesteil, der Republika Srpska, vorerst nicht in die Kinos kommen. Der Leiter des lokalen Filmvertreibers, Vladimir Ljevar, sagte Medien gegenüber, dass ein solcher Beschluss wegen der Äußerungen der Regisseurin getroffen worden sei. In Banja Luka wurde der Film am Donnerstagabend nur einem ausgewählten Publikum vorgeführt. Seine Vorführung in den Kinos wäre Ljevar zufolge allerdings "kontraproduktiv".

Zbanic erklärte bei der Entgegennahme des "Goldenen Bären" in Berlin, dass 13 Jahre nach dem Bosnien-Krieg die Kriegsverbrecher Ratko Mladic und Radovan Karadzic in Europa weiterhin in Freiheit lebten. Sie warf den beiden einstigen bosnisch-serbischen Führern auch vor, die Vergewaltigung von 20.000 Frauen und die Ermordung von 100.000 Personen organisiert zu haben.

"Grbavica", die Geschichte einer Frau, die während des Bosnien-Krieges von einem Serben vergewaltigt wurde und ihrer Tochter lange Zeit die Wahrheit über ihren Vater verheimlicht, ist seit dieser Woche in den Kinos im größeren bosnischen Landesteil, der bosniakisch-kroatischen Föderation, zu sehen. Die Belgrader Premiere des Films ist für Anfang nächster Woche geplant. (APA)

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