Europa: EZB schürt Zinsängste

6. März 2006, 13:53
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Ein Kommentar von Ronald Stöferle und Jürgen Ulamec aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die europäischen Börsen gingen mit negativen Vorzeichen aus der abgelaufenen Handelswoche. Verantwortlich dafür waren einerseits die EZB, die nach der Zinserhöhung weitere Zinsschritte in Aussicht stellte, sowie schlechte Vorgaben aus den USA, die mit aufkommenden Konjunkturängsten begründet werden können. Das Hauptaugenmerk der Anleger lag erneut bei den Versorgern sowie im Telekomsektor. Die spanische Telefonica S.A verbuchte im vierten Quartal einen deutlichen Gewinnanstieg. Wie die größte spanische Telefongesellschaft erklärte, konnte der Nettogewinn um 51,6 % gesteigert werden; auch beim Umsatz konnte man stark zulegen. Auch die Deutsche Telekom AG konnte im Geschäftsjahr 2005 alle Finanzziele klar erreichen und bei Umsatz und Gewinn stark wachsen. Das Unternehmen gab bekannt, die Dividende anzuheben. Schwächer tendierten indes Papiere des Mobilfunkriesen Vodafone, nachdem der Konzern milliardenschwere Wertberichtigungen sowie ein verringertes Umsatzwachstum in Aussicht stellte. So müsse man in Zusammenhang mit der im Jahr 2000 vorgenommenen Mannesmann-Übernahme eine Goodwill- Abschreibung in Höhe von GBP 23 bis 28 Mrd. vornehmen.

Im Bereich der Versorger blieb es turbulent. Die französischen Energieversorger Suez SA und Gaz de France gaben bekannt, sich auf eine Fusion unter Gleichen geeinigt zu haben. Ziel der Fusion ist die Abwehr einer feindlichen Übernahme von Suez durch den italienischen Mitbewerber Enel. Durch den Zusammenschluss entsteht einer der führenden Anbieter in den Bereichen Erdgas- und Energieversorgung. Weiters geht man von Synergien in Höhe von EUR 500 Mio. jährlich aus. Wesentlich schwächer tendierten die Aktien des deutschen Versorgers E.On. Presseangaben zufolge muss sich der Konzern auf eine Übernahmeschlacht um den spanischen Versorger Endesa einstellen. Der spanische Energiekonzern Gas Natural könnte Presseangaben zufolge in Kürze ein neues Angebot für den spanischen Konkurrenten Endesa vorlegen.

Besonderes Augenmerk vereinte aber auch der Konsumsektor auf sich, nachdem die in der Vorwoche gemeldeten Konjunkturdaten einen Aufschwung in Deutschland vorhersagen. So gewannen im DAX Papiere von METRO besonders stark; in der zweiten Reihe tendierten Medion, Douglas und KarstadtQuelle fester. Der Sportartikelhersteller Adidas-Salomon AG musste einen herben Kursverlust hinnehmen, nachdem zwar deutliche Umsatz- und Gewinnsteigerungen erzielt, die Erwartungen des Marktes aufgrund der Integration von Reebok jedoch klar verfehlt wurden. Im TecDAX dominierten die Biotech-Werte das Geschehen. So tendierten Papiere von Quiagen NV und GPC Biotech fester, nachdem viel versprechende Forschungsergebnisse sowie langfristige Kooperationen bekannt gegeben wurden. Die Liste der Verlierer führten die Anteilsscheine von Morphosys an, nachdem man schwache Zahlen sowie einen getrübten Ausblick präsentierte.

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