Europas Radiologie in Wien

6. März 2006, 18:54
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Insgesamt 15.000 TeilnehmerInnen diskutieren neueste Entwicklungen beim diesjährigen ECR-Kongress

Wien - In den kommenden Tagen diskutieren im Austria Center Vienna (3. bis 7. März) rund 8.000 Fachleute beim Europäischen Radiologenkongress (ECR) in Wien die neuesten Entwicklungen auf ihrem Gebiet. Besondere Neuigkeiten gibt es im Bereich der virtuellen Vorsorgeuntersuchungen per Computertomographie.

"Der Kongress ist schon zum zwölften Mal in Wien. Er ist der zweitgrößte Radiologenkongress. Die Veranstaltung trägt rund 30 Millionen Euro zum Bruttoinlandsprodukt bei", sagte der Wiener Spezialist Univ.-Prof. Dr. Christian Herold (AKH) am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Rund um die 8.000 Radiologen präsentieren etwa 7.000 Mitarbeiter der Industrie die modernsten, "klarsichtigsten" und manchmal Millionen teuren Geräte der bildgebenden Diagnostik und der interventionellen Radiologie, welche in der Behandlung verschiedenster Erkrankungen eingesetzt werden.

Bildgebende Verfahren und Vorsorge

Insgesamt dringen bildgebende Verfahren nun offenbar endgültig in die Vorsorgemedizin vor. Ein Beispiel ist die Computertomographie für die virtuelle Koloskopie zur Darmkrebsvorsorge, welche bereits an die herkömmliche Darmspiegelung (Koloskopie) heran reicht.

Herzog: "In der Darmkrebsvorsorge kann die Radiologie einen wesentlichen Beitrag leisten. Die virtuelle Koloskopie kann Darmpolypen von über einem Zentimeter Größe entdecken. Das sind jene Polypen, die man finden will." Allerdings ist im Fall des Falles dann natürlich erst recht eine Koloskopie zur Entfernung des Polyps notwendig. Eine ähnliche Entwicklung spielt sich in der Kardiologie ab, wo bisher der Zustand der Herzkranzgefäße fast nur mit der invasiven Koronarangiographie untersucht werden konnte, bei der ein Katheter bis ins Herz geschoben werden muss.

Koronargefäßdarstellung

"Im Bereich der Koronargefäßdarstellung ist bereits ein kompletter Paradigmenwechsel vollzogen. Die konventionelle diagnostische Koronarangiographie gehört der Vergangenheit an", erklärte der Leiter der Abteilung für Allgemeine Radiologische Diagnostik der Universität Graz, Univ.-Prof. Dr. Rainer Rienmüller, aus Anlass des Kongresses. Mit den neuesten 64-Zeilen-CT-Geräten lassen sich die Herzkranzgefäße ohne jeden Eingriff auf Verengungen untersuchen und bildlich darstellen. Die Aufnahme des Bildes dauert nur noch wenige Sekunden, sie ist risikoloser und angenehmer für die Patienten.

Eine Neuentwicklung gibt es schließlich auch bei den Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchungen. Hier entwickeln die Radiologen beziehungsweise die Industrie Verfahren, um verdächtige Strukturen per Laserlicht - also ohne Röntgenbelastung - sichtbar zu machen. Univ.-Prof. Dr. Thomas Helbich vom Wiener AKH: "Durch die molekulare Bildgebung mit Laser ist eine verbesserte Erkennung von Brusttumoren möglich. Mittelfristig könnte diese neue Methode die Mammographie ersetzen."

Bei der Methode nutzen die Wissenschafter den Umstand, dass in Tumoren eine verstärkte Gefäßneubildung und somit eine stärkere Blutversorgung samt mehr Hämoglobin der roten Blutkörperchen vorliegt. Das kann per Laserlicht dargestellt werden. Allerdings fehlen noch die perfekten Kontrastmittel. (APA)

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ECR
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    Auf dem Schirm zu sehen: Das Venogramm (eine Darstellung venöser Blutgefäße mit Magnetresonanz- tomografie) eines Gehirns, erstellt von der Arbeitsgruppe Medizinische Physik an der FSU Jena

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