Berichte über brutale Zwangsernährung in Guantanamo

8. März 2006, 11:43
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BBC interviewte Häftling: "Der Tod ist besser als ein Leben wie dieses" - Vatikan: "Menschenwürde wird mit Füßen getreten"

London - Die hungerstreikenden Häftlinge in Guantanamo werden nach Angaben eines Betroffenen auf brutale Weise zur Nahrungsaufnahme gezwungen. Die Methode, die Häftlinge gewaltsam zu ernähren, komme Folterungen gleich, teilte Fausi al Odah der BBC über einen Anwalt mit. "Ich wäre noch immer im Hungerstreik, wenn ich nur die Möglichkeit dazu hätte", zitierte die BBC den Kuwaiter am Freitag. "Der Tod ist besser als ein Leben wie dieses."

Ein britischer Reporter hatte dem Anwalt Odahs, Tom Wilner, Fragen zukommen lassen. Dieser übermittelte die Antworten, die er bei einem Treffen mit seinen Mandanten in Guantanamo erhalten hatten, zurück. Erste Auszüge aus den Aufzeichnungen waren bereits am 2. Februar veröffentlicht worden.

In den neuen Passagen erklärt Odah, die Häftlinge seien gewarnt worden: Sollten sie in den Hungerstreik treten, würden sie auf einen Spezialstuhl geschnallt und mit einem dicken Schlauch drei Mal pro Tag zwangsernährt. "Ein Araber erzählte mir, er sei in Saudiarabien gequält worden. Aber die Prozedur mit dem Metallstuhl sei schlimmer als jede Folter, die er erleben musste oder sich vorstellen könnte", zitierte ihn die BBC.

Als die Schilderungen im Februar erstmals bekannt wurden, rechtfertigte das US-Verteidigungsministerium die Maßnahmen. Die Zwangsernährung erfolge unter medizinischer Aufsicht und in mitfühlender Weise, erklärte ein Pentagonsprecher. Die Spezialstühle kämen auch in nichtmilitärischen Gefängnissen zum Einsatz.

Vatikan kritisiert Missachtung von Menschenrechten

Der Vatikan hat die Missachtung der Menschenrechte im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba kritisiert. Kardinal Renato Raffaele Martino, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, sagte am Freitag in einem Interview mit der italienischen Nachrichtenagentur Ansa, in Guantanamo werde die Menschenwürde mit Füßen getreten.

Überall dort, wo Menschen ohne Anklage festgehalten würden, stehe der Vatikan an ihrer Seite. Selbst bei denjenigen, die Verbrechen begangen hätten, handele es sich um Menschen, die in ihrer Würde respektiert werden müssten. Auf die Frage, ob der Vatikan Hilfegesuche von Angehörigen der Gefangenen oder von Organisationen zum Schiutz von Häftlingsrechten erhalten habe, sagte Martino, er ziehe es vor, darauf nicht zu antworten. Der Kardinal war gerade von einem Besuch in Kuba zurückgekehrt, wo er am 20. Nationalen Kirchentreffen teilgenommen hatte. (APA/AP)

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    Ein US-Miltärartzt zeigt eine Magensonde, wie sie für die umstrittene Zwangsernährung angewendet wird.

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