Foto-Ausstellung von Erich-Salomon in Salzburg

9. März 2006, 14:00
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Presse-Fotograf hielt bis zu seiner Deportation und Ermordung das gesellschaftliche Leben Deutschlands fest

Salzburg - "Mit Linse und Frack durch Politik und Gesellschaft", diese Foto-Ausstellung von Erich Salomon wird am Samstag im Salzburger Rupertinum eröffnet. Salomon hat seine Bilder über die deutsche Politik, den fragilen Parlamentarismus, die deutsche Gesellschaft und bedeutende Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Kunst in den Jahren 1928 bis 1938 mit beispiellosem Erfolg für die deutsche Presse gemacht, bevor er als Jude deportiert und ermordet wurde.

Immer ist es der Dialog im Bild, der Salomon interessierte, niemals das gestellte Porträt. Salomons Schwarz-Weiß-Fotos zeigen Menschen beim Kommunizieren in der Öffentlichkeit, in Sitzungen, in Kaffee-Häusern, in Konzerten oder beim Telefonieren. "Seinen Erfolg verdankt dieser spätberufene und im Alter von 58 Jahren getötete Fotograf der Rhetorik in seinen Bildern", erläuterte Margit Zuckriegl, Kuratorin dieser Ausstellung im Rupertinum, bei der Presse-Vorbesichtigung. "Egal ob in amerikanischen Einwanderungslagern, im Wohnzimmer bei Marlene Dietrich oder am ersten Tag, an dem die Nazis im deutschen Reichstag vertreten waren, immer hat Salomon 'seine' Menschen in Momenten fotografiert, in denen sie im Gespräch waren. Damit hat er die Politik öffentlich gemacht."

Werdegang

Erich Salomon wurde 1886 in eine großbürgerliche Bankiersfamilie in Berlin geboren. Jurastudium, Kriegsgefangenschaft in Frankreich, dann Börsenmakler, Klavierfabriksbesitzer und Taxi-Unternehmer sind die wichtigsten Lebensstationen, bevor er 1927 den Bildern verfällt, eine Kamera kauft und als Fotojournalist von Anfang an international erfolgreich arbeitet. 1944 stirbt Salomon zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn in Auschwitz.

Die Salzburger Ausstellung ist nicht chronologisch, sondern inhaltlich gegliedert, zum Beispiel "in Künstler in Aktion", "Zwiegespräche", "Parlament", "Gruppen-Diskussionen" oder "Kommunikation über Medien" wie Telefon oder Zeitung. Die Ausstellung bleibt bis zum 7. Mai geöffnet. (APA)

Link

Museum der Moderne, Rupertinum, 0662 / 84 22 20-0
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wilhelm Mengelberg dirigierend in Amsterdam, um 1935, ist eines der Exponate der Ausstellung

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