Wir sind Schnaps ...

15. März 2006, 12:13
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... und Likör und Lebkuchen. Die Lebzelterei und Schnapsbrennerei Pirker

Damit auch der neue Papst wieder nach Mariazell kommt, bedarf es vieler Gebete und eines Flaschengeistes. Letzerer steht natürlich schon bereit: ein echter Benediktinerlikör aus dem sehr berühmten Wallfahrtsort.

Natürlich hätte Mathias Pirker gern persönlich im Vatikan vorbeigeschaut, um den höchsten Würdenträger der katholischen Kirche, Papst Benedikt XVI, ganz herzlich nach Mariazell einzuladen. Das aber hat die Bischofskonferenz mit Kardinal Schönborn an der Spitze übernommen. Und weil man ja nicht mit leeren Händen nach Rom reist, hat die Delegation dem Papst auch ein Geschenk zu Füßen gelegt: eine kleine, handbemalte Bauerntruhe aus edlem Holz, bis oben hin gefüllt mit all den schönen Sachen, für die der Wallfahrtsort – nebst seiner Basilika natürlich – ja doch schon einigermaßen berühmt ist. Lebkuchen und Honigwachskerzen, und dann noch Schnaps und Likör. Das sind auch exakt jene Dinge, die in der Lebzelterei und Wachszieherei Pirker zum Teil schon seit rund 300 Jahren produziert werden.

Am Anfang war der Honig und der Lebkuchen. Später dann die Liköre, erst in der jüngeren Vergangenheit – die beginnt so ungefähr, als Mathias Pirker den Betrieb übernommen hat – kamen auch die Edelbrände dazu. Jetzt aber steht schon wieder eine neue Generation in den Startblöcken: Tochter Katharina führt bereits das stilvoll renovierte Hotel „Goldener Löwe“ am Hauptplatz, direkt vis-a-vis der Basilika, und schickt sich an, gemeinsam mit Pirkers Schwiegersohn Georg auch die Schnapsproduktion weiterzuführen.

Was ja auch unbedingt notwendig ist, schließlich sind die Zig-, um nicht zu sagen Abertausende Pilger auf hochgeistigen Beistand nach der langen Wanderung zum Wallfahrtsziel dringend angewiesen. Und im Mariazellerhof werden sie dann auch fündig. Und weil die Geschmäcker bekanntlich sehr verschieden sind, bietet die Brennerei Pirker für jede und jeden das Passende. Immerhin stehen rund fünf Dutzend Brände aus ebenso vielen Früchten im Regal, dazu kommen dann noch die Klassiker aus der Likörabteilung wie der über die Grenzen bekannte Mariazeller Kräuterbitter, der Jahr für Jahr hoch zu lobende Eierlikör, auf dessen Basis dann auch noch ein Lebkuchen-, ein Kletzen- und ein Nuss-Zimt-Likör entstehen.

Angesichts der breit gefächerten Edelbrandpalette ist es wohl verständlich, dass nicht alle Früchte die Brennerei in jenem ausgereiften und aromatischen Zustand erreichen, der wie bei allen vergorenen Säften die Voraussetzung für ein Spitzenprodukt ist. Aber dort, wo Mathias Pirker und sein Brennmeister Selimi auf die Auswahl und den Reifezustand direkt Einluss nehmen können, kommen auch Brände der Spitzenklasse heraus. Man nehme zum Beispiel die Schwarze Johannisbeere, mit der die Brennerei schon seit vielen Jahren regelmäßig glänzende Erfolge feiert, oder den fassgelagerten Zwetschkenbrand, der unter seinesgleichen eine Spitzenposition einnimmt. Ganz besonders muss aber auf den seltenen und sehr wildfruchtig schmeckenden Mispelbrand hingewiesen werden – in seiner Klasse ist er einer der Topbrände des Landes.

Ähnliche Ehrungen hat in jüngster Zeit auch der Edelbrand aus der Brombeere errungen (die Brombeere aus dem Jahrgang 2004 wurde vom „A la Carte“ sogar mit der höchsten Auszeichnung bedacht) und bei landesweiten wie auch bei internationalen Verkostungen liegen die Brände des Hauses Pirker regelmäßig mit an der Spitze. Ob das nun die Wieselburger „Ab Hof“-Messe, die Destillata oder die Internationale Spezialmesse für Direktvermarkter ist: Die Brennerei Pirker wird sowohl für die Sortenvielfalt als auch für die allgemein hohe Qualität der Produkte mit Bestnoten bedacht.

Kein Wunder, dass der Digestivwagen – so wie er kürzlich im Gasthaus Seidl zu bewundern war – schwer mit Auszeichnungen, Medaillen und Edelsteinen ausgestattet ist. Wenn der Wagen freilich groß genug ist, passt auch noch eine große Zahl von Mariazeller Schnäpsen drauf. Darunter befand sich ein weiteres Stück aus der nie versiegenden Angebotsvielfalt, ein zwar in der Nase etwas verhaltener, am Gaumen aber sehr präzise und komplex schmeckender Brand aus Maulbeeren. Ohne Prophet sein zu wollen, möchte ich diesem Schnaps dennoch ein auszeichnungsreiches Leben vorhersagen.

So gesehen gibt Mathias Pirker seinen Nachfolgern ein wunderbares Fundament mit auf den Weg. Und nachdem es mit seiner Mithilfe – irgendwie als Abschluss und Höhepunkt seines Schaffens – auch noch gelungen ist, den Papa aus Rom nächstes Jahr in die Bergwelt rund um die Gemeindealpe und den Erlaufsee zu holen, wird er darauf und mit dem Papst sicher einen Benediktiner heben! Und diesem eventuell zuflüstern: „Wir sind zwar nur ein kleines Land, aber wir sind Schnaps!“ Worauf der Papst in seiner bayrischen Art vielleicht sagen wird: „Darauf wollen wir einen heben!“ Gelegenheit dazu wird Benedikt XVI jedenfalls reichlich bekommen.

  • Mathias Pirker und seine reichhaltige Schnapsproduktion.
    foto: pirker

    Mathias Pirker und seine reichhaltige Schnapsproduktion.

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