Gaddafi warnt: "Italien drohen weitere Angriffe"

8. März 2006, 14:36
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Libyscher Revolutionsführer fordert von Rom Entschädigung für Kolonialzeit

Rom - Der libysche Revolutionsführer Muammar Gaddafi hat Rom vor weiteren gewalttätigen Protesten wie jenen vor dem italienischen Konsulat in der Stadt Bengasi gedroht, bei dem vor zwei Wochen elf Personen ums Leben gekommen waren. Gaddafi rief Italien auf, die von Libyen geforderte Entschädigung für die Kolonialzeit zu zahlen, um das gespannte Klima aufzulockern. "Die Libyer suchen seit 1911 nach Gelegenheiten, um ihre Wut gegen Italien auszutoben, das das Land besetzt hatte", sagte Gaddafi nach Angaben der römischen Tageszeitung "La Repubblica" am Freitag.

Generalkonsul Pirrello im Visier

Gaddafi berichtete, dass die Demonstranten in Bengasi den italienischen Generalkonsul Franco Maria Pirrello töten wollten. Laut dem libyschen Revolutionsführer seien die Proteste vor dem italienischen Konsulat nicht auf die T-Shirt-Aktion des inzwischen zurückgetretenen Reformministers Roberto Calderoli, zurückzuführen, der im Fernsehen ein T-Shirt mit den umstrittenen Karikaturen gegen den Propheten Mohammed gezeigt hatte. "Italien muss die Libyer für ihre Leiden während der Kolonialzeit entschädigen", wurde Gaddafi zitiert.

Entschädigung für Kolonialzeit

Die italienische Regierung hat dieser Tage begonnen, das Thema der von Libyen geforderten Entschädigung für die Kolonialzeit ernsthaft in Angriff zu nehmen. Libyen war von 1911 bis 1943 italienische Kolonie und verlangt von Rom Entschädigung für die Folgen dieser Kolonialherrschaft und des Krieges, gesicherte Informationen über den Verbleib von Libyern, die damals nach Italien deportiert wurden sowie die Freigabe von beschlagnahmtem libyschem Eigentum. "Wir wollen mit Libyen eine adäquate Lösung finden", versicherte Regierungschef Silvio Berlusconi vergangene Woche.

Langjähriger Streit

Libyen verlangt von Rom unter anderem die Freigabe von beschlagnahmtem libyschen Eigentum. Italien hatte diese Fragen durch ein Abkommen des Jahres 1956 mit dem damaligen libyschen König Idriss als geklärt betrachtet. Die jetzige Führung in Tripolis erkennt diesen Vertrag jedoch nicht an.

1998 hatten Rom und Tripolis eine Grundsatzerklärung zur Bewältigung der durch die Kolonialära belasteten Vergangenheit unterzeichnet. In der gemeinsamen Erklärung hatten sich die beiden Partner zur "Bekämpfung des Terrorismus in allen seinen Formen, zur Nichtweiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, zum Abbau aller Faktoren der Instabilität in der Region und zur Einhaltung der Menschenrechte" verpflichtet.

"Negatives Vermächtnis"

Im Sinne einer Aufarbeitung des "negativen Vermächtnisses" der Kolonialzeit hatte Italien erhebliche Mittel zur Beseitigung der Minenfelder in Libyen zur Verfügung gestellt, die während des Zweiten Weltkrieges angelegt wurden und immer noch Opfer unter der Zivilbevölkerung fordern. Die Zahl der im libyschen Wüstensand vergrabenen Minen soll in die Millionen gehen.

Im Gegenzug hatte sich Tripolis bereit erklärt, Italienern, die 1970 nach der Machtübernahme Muammar Gaddafis aus Libyen ausgewiesen wurden, wieder die Einreise zu gestatten. Über die Entschädigung enteigneten Vermögens sollte gesondert verhandelt werden, bisher kam es jedoch zu keiner Einigung. Libyen hat auf seine Forderung nach einem pauschalen Schadenersatz für die "Schäden und Opfer der kolonialen Repression" verzichtet, verlangt aber die Rückstellung von Beutekunst und Aufklärung über das Schicksal von über 5.000 zwischen 1911 und 1945 nach Italien deportierten Libyern. (APA)

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