Massaker an schlafenden Arbeitern

6. März 2006, 22:06
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Neue Bluttaten an Schiiten im sunnitisch dominierten Zentralirak - Krise um Regierungschef

Mit einer neuerlichen Ausgangssperre am Wochenende versucht die irakische Regierung, die Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten einzudämmen. Doch Appelle des Premiers verhallen ungehört. Bagdad - Im Irak dauern die Gewaltausbrüche an, die durch den Anschlag auf die Goldene Moschee von Samarra, eines der wichtigsten schiitischen Heiligtümer, ausgelöst wurden und nach unterschiedlichen Schätzungen bisher zwischen 500 und 1700 Menschenleben gefordert haben. Extremisten haben am Freitag vor einem Kraftwerk in der irakischen Kleinstadt Nahrawan 25 Schiiten umgebracht.

Ein Sprecher des Innenministeriums in Bagdad räumte ein, die Region Nahrawan im Osten der Hauptstadt sei nicht vollständig unter Kontrolle der Sicherheitskräfte. Die Toten seien offenbar Opfer eines religiös motivierten Überfalls geworden, hieß es. Etwa 50 mutmaßliche sunnitische Aufständische stürmten demnach in der Nacht zum Freitag eine Fabrik in dem Ort und richteten ein Blutbad unter schlafenden schiitischen Arbeitern an.

Mit einem Fahrverbot versuchten die Behörden am Freitag, neue Gewalt in der Innenstadt von Bagdad und Zusammenstöße nach den wöchentlichen Freitagsgebeten zu unterbinden. Premierminister Ibrahim al-Jafari forderte die Geistlichen auf, in ihren Predigten zur Einheit aufzurufen. Er kündigte "scharfe Maßnahmen" an, sollten sie Hass oder Gewalt schüren, wurde aber nicht ernst genommen.

So drohte etwa die schiitisch-islamistische Fadhila-Partei in der südirakischen Hafenstadt Basra, den Öl- und Warenverkehr aus dem Süden in die Zentralregion zu unterbrechen. Die Drohung werde wahrgemacht, wenn bei der Bildung der künftigen Regierung die Forderungen der Fadhila-Partei nicht berücksichtigt würden, sagte das Führungsmitglied der Partei, Scheich Sabah al-Saedi, in seiner Freitagspredigt. Die Fadhila gehört zu den kleineren Parteien der Schiitenallianz UIA, die bei den Parlamentswahlen im letzten Dezember die 128 der 275 Mandate errungen hatte, verfügt aber in Basra über großen Einfluss.

Das vor bald drei Monaten neu gewählte Parlament soll voraussichtlich am 12. März zusammentreten. Damit würde rechtlich auch die neue umstrittene föderale Verfassung in Kraft treten. (dpa, Reuters, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.3.2006)

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    Autofahrt trotz Ausgangssperre in Bagdad: Irakische Soldaten überprüfen die Insassen.

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