Cote d'Ivoire könnte Hauptverdächtigen im Mordfall Halimi ausliefern

3. März 2006, 13:21
posten

Gericht sprach sich dafür aus - Frankreichs Außenminister begrüßt Urteil

Abidjan - Ein Gericht in Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) hat sich am Donnerstag für die Auslieferung eines Hauptverdächtigen im Fall der Ermordung eines französischen Juden ausgesprochen. Einem Staatsanwalt zufolge ist es nun an Frankreich, den Verdächtigen Youssef Fofana auszufliegen. Frankreichs Außenminister Philippe Douste-Blazy begrüßte das Urteil und erklärte, das französische Rechtssystem könne die Verantwortlichen für den schrecklichen Mord an Ilan Halimi nun zur Verantwortung ziehen.

Bald in Frankreich

Nach Zeitungsberichten aus Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) vom Freitag entschied das Berufungsgericht in Abidjan am Donnerstag, den 25 Jahre alten französischen Staatsbürger Youssouf Fofana auszuweisen. Er könnte noch am Freitag in Frankreich eintreffen. Das Gericht erklärte, obwohl Fofanas Eltern beide die Staatsangehörigkeit des westafrikanischen Landes besäßen, sei der Beschuldigte selbst nicht Bürger.

Fofana habe als Franzose bei der Botschaft in Paris ein Einreisevisum für Cote d'Ivoire beantragt, hieß es in der Zeitung "Fraternite Matin". Als Bürger von Cote d'Ivoire hätte Fofana gemäß bilateraler Abkommen in dem westafrikanischen Land vor Gericht gestellt werden müssen. Fofana war Mitte Februar in die Heimat seiner Eltern geflüchtet und dort gefasst worden.

Der jüdische Telefonverkäufer Ilan Halimi war von einer Vorstadt-Erpresserbande um den 25-jährigen Fofana wochenlang als Geisel gefangen gehalten, gequält und getötet worden. Fofana bestätigte, Halimi wegen seiner Religion für reich gehalten zu haben, bestritt aber antisemitische Beweggründe. Die Bande hatte der Polizei zufolge auch nichtjüdische Gutverdiener erpresst.

Die Gewalttat hatte in Frankreich Entsetzen ausgelöst und im verunsicherten jüdischen Milieu den Ruf nach Selbstverteidigung aufkommen lassen. (APA/Reuters)

Share if you care.