Trübe Aussichten für Lunge

20. Juli 2006, 13:18
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Die durch Luftschadstoffe belasteten Gebiete in Österreich haben erheblich zugenommen - mit Grafik

Betroffen sind vor allem die Steiermark, Niederösterreich und Tirol. Der Bau von Straßen, aber auch von Industrie- und Gewerbeparks wird erschwert

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Wien/Graz/Innsbruck - In der Steiermark und Tirol hat sich die Fläche des durch Schadstoffe belasteten Gebietes seit 2004 verdoppelt. Zusätzliche großflächige Belastungen gibt es auch in Niederösterreich: erstmals betroffen sind das Wiener Becken und Korneuburg. Vor allem Feinstaub und Stickstoffdioxid machen zu schaffen. Das ist einem Verordnungsentwurf des Umweltministeriums zu entnehmen.

Das Ministerium hat laut UVP-Gesetz alle zwei Jahre die belasteten Gebiete auszuweisen. Und zwar dann, wenn Grenzwerte "wiederholt oder auf längere Zeit" überschritten wurden. In diesen Gebieten gelten besonders strenge Schwellenwerte für etliche Vorhaben: etwa den Ausbau oder Neubau größerer Straßen und Parkplätze, die Errichtung von Industrie- und Gewerbeparks, von Freizeitparks und Stadien oder für Produktionsstätten wie etwa von Roheisen, Zement und Glas.

Dafür muss im Einzelfall geprüft werden, ob eine eigene UVP durchzuführen ist. Laut Ministerium ist mit im Schnitt 30 Einzelfallprüfungen pro Jahr zu rechnen. Geschätzte Kosten: knapp 430.000 Euro.

Bei Gießereien, in der Glas-oder Mineralfasererzeugung, Zement und Ziegelproduktion ist es "kaum realistisch", dass in belasteten Gebieten größere Projekte genehmigt werden.

Die erhebliche Erweiterung der Belastungszonen gegenüber 2004 sei nicht so sehr auf eine gestiegen Luftbelastung zurückzuführen, heißt es im Umweltministerium, sondern in erster Linie auf strengere Grenzwerte und eine Ausweitung des Messnetzes, vor allem für Feinstaub (PM10).

Belastete Ballungsräume

Viele Ballungsräume gelten nun als belastet (siehe Karte): Wien (bis auf den 21. und 22. Bezirk), die Großräume von Graz, Linz und Innsbruck sowie die Stadt Salzburg. In der Steiermark ist nun "das gesamte Murtal zwischen Knittelfeld und Graz" betroffen, in Tirol die gesamte Inntalfurche von bei Kufstein bis Landeck, also auf 150 Kilometern. Und als größtes zusammenhängendes Gebiet eine beachtliche Fläche um Wien: das gesamte Nordburgenland, das Wiener Becken und das östliche Niederösterreich bis zur Grenze.

Umweltminister Josef Pröll (VP) meint, die Länder könnten nun "wesentlich früher auf die besondere Situation reagieren". Grünen-Umweltsprecherin Eva Glawischnig sieht "Versäumnisse" Prölls. (Benedikt Sauer, DER STANDARD - Printausgabe, 3. März 2006)

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