Deutsche Telekom baut Personal ab und zahlt Rekorddividende

14. März 2006, 15:45
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Das "erfolgreichste Jahr" seiner Geschichte hält die Deutsche Telekom nicht davon ab, den geplanten Abbau von 32.000 Stellen umzusetzen

Bonn - Nach einem deutlichen Gewinnzuwachs im vergangenen Jahr will die Deutsche Telekom ihren Aktionären die höchste Dividende der Konzerngeschichte zahlen. Pro Titel werde die Dividende um 10 Cent auf 0,72 Euro angehoben, kündigte Konzernchef Kai-Uwe Ricke am Donnerstag an. Der Nettogewinn stieg vor allem dank guter Geschäfte der Mobilfunksparte auf 5,58 Mrd. Euro. 2005 sei "finanziell betrachtet das erfolgreichste Jahr der Deutschen Telekom" gewesen, sagte Ricke.

In Hinblick auf den geplanten Abbau von 32.000 Stellen räumte Ricke ein, dass eine hohe Dividende und Stellenstreichungen für viele nur schwer vereinbar sein würden. "Aber: Das sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe." Die Dividende folge den Regeln der Betriebswirtschaft und des Kapitalmarkts; eine gute Ergebnisentwicklung mache "letztlich das Unternehmen als Ganzes" für dessen Mitarbeiter sicher.

Keine Einigung über Stellenabbau

Ricke bedauerte, dass mit der Gewerkschaft Verdi bislang keine Einigung über den Stellenabbau erzielt werden konnte. Die Telekom setze dabei unverändert auf "Freiwilligkeit und die Attraktivität unserer Angebote" an die Mitarbeiter. "Wir bringen den personellen Umbau jetzt auf den Weg, also in einer Situation, in der wir uns ein solches Maßnahmenpaket in Höhe von 3,3 Mrd. Euro auch leisten können."

Im Vorjahr stand mit 1,59 Mrd. Euro deutlich weniger Gewinn als 2005 unter dem Strich. Der Umsatz stieg um 3,9 Prozent auf 59,6 Mrd. Euro. Getrieben wurden die Einnahmen vor allem von den Geschäften im Ausland, während in Deutschland der Umsatz rückläufig war. Besonders gut liefen die Mobilfunkgeschäfte: Hier legte der Umsatz um elf Prozent auf 29,5 Mrd. Euro zu. Das Geschäft der Festnetzsparte T-Com dagegen schrumpfte weiter. Der Mobilfunk sei "nach wie vor der Wachstumsmotor im Konzern", erklärte Ricke. Am Erfolg sei das Geschäft in den USA erneut "ganz wesentlich beteiligt" gewesen, das mit einem Kundenwachstum von 25,3 Prozent an der Spitze lag.

Konzernziel bekräftigt

Ricke bekräftigte das Konzernziel für das laufende und das kommende Jahr, wonach der Umsatz um jeweils rund fünf Prozent wachsen soll. Aber der Telekommunikationsriese werde angesichts weltweiter Umbrüche in der Branche weiterhin vor großen Herausforderungen stehen. Die Telekom nehme diese Herausforderung jedoch ""offensiv an, frei nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung". "Wir geben Gas", sagte Ricke. Das Unternehmen werde "massiv in die Verteidigung und Rückgewinnung von Marktanteilen und Umsätzen investieren".

Die Börse reagierte erfreut auf die Zahlen. Donnerstagmorgen lag die Telekom-Aktie 2,08 Prozent höher als beim Vortagesschluss. Zeitweise wurden sogar 13,89 Euro für das Papier gezahlt. Dennoch ist die Aktie weit von ihrem Drei-Jahres-Hoch von knapp 17 Euro entfernt. (AFP, red/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.3.2006)

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