Frauen geht es schlechter - Männern auch

2. März 2006, 18:46
9 Postings

Arbeiterkammer kritisiert im aktuellen Frauenbericht die "weibliche Teilzeit" und die Einkommensunterschiede

Sozialministerin Ursula Haubner präsentierte am Donnerstag dem Ministerrat den ersten Männerbericht. Darin enthalten sind etwa Daten über die kürzere Lebenszeit und die höhere Unfallgefährdung von Männern.

Die Arbeiterkammer (AK) hingegen legte gleichzeitig einen Frauenbericht vor. Darin wird kritisiert, dass sich die ökonomische Situation von Frauen in den vergangenen zehn Jahren verschlechtert habe. Mit schuld daran sei, dass Teilzeitarbeit im EU-Schnitt in Österreich überdurchschnittlich gestiegen sei - und vor allem Frauen betreffe.

Da die Teilzeitarbeit schlechter bezahlt ist, habe das auch die Konsequenz, dass die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen im Altersverlauf deutlich zunehmen. AK-Präsident Herbert Tumpel forderte den raschen Ausbau der Kinderbetreuung.


Wien - Früher wurde alle zehn Jahre ein Bericht zur Situation der Frauen vorgestellt. 2005 wäre es wieder so weit gewesen - allein, die Regierung legte keinen vor. Daher hat die Arbeiterkammer (AK) die Initiative ergriffen, einen Frauenbericht erstellt und am Donnerstag präsentiert. Die Kernaussage: Seit 1995 habe sich die soziale und ökonomische Situation von Frauen verschlechtert. AK-Präsident Herbert Tumpel machte den Befund vor allem an der Situation am Arbeitsmarkt fest:

  • Die Arbeitslosigkeit von Frauen ist in Österreich gestiegen. Die Regierung spreche von Beschäftigungsrekord, das stimme aber nicht, wenn man die Arbeitszeit betrachte: Denn Teilzeitarbeit sei in Österreich im Gegensatz zum EU-Schnitt deutlich angestiegen, vier von zehn Frauen arbeiten in Teilzeit.
  • Laut einer Umfrage ist diese hohe Teilzeitquote nur bedingt freiwillig. Tumpel macht die mangelnde Kinderbetreuung dafür verantwortlich und fordert über 500 Millionen Euro, um die Lücken bei der Kinderbetreuung zu schließen.
  • Teilzeitbeschäftigung ist laut AK auch teils für die großen Einkommensunterschiede verantwortlich. Beim Berufseinstieg (bis 19 Jahre) verdienen Frauen 92 Prozent der Männergehälter. Im Alter von 50+ hingegen kommen Frauen nur mehr auf 63 Prozent der Männereinkommen.

    Während sich die AK auf Frauen konzentrierte, hat Sozialministerin Ursula Haubner am Donnerstag den ersten Männerbericht. Dort sind gesammelte Daten über Nachteile von Männern gesammelt, etwa: Männer sterben um 5,7 Jahre früher als Frauen. Männer stellen die Mehrheit der Opfer im Straßenverkehr. Männer gehen seltener zum Hausarzt/zur Hausärztin. (eli/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.3. 2006)

    • Bild nicht mehr verfügbar
      Bruttogehalt in Euro nach Altersgruppen, Vergleich Männer und Frauen
    Share if you care.